14. September
1999
Appell
zum 9. Jahrestag der Antragstellung: Leistungserhöhung des AKW Gundremmingen
auch nicht nach der Landtagswahl genehmigen
Zum neunten Mal
jährt es sich, dass das Kernkraftwerk Gundremmingen bei der Bayerischen
Staatsregierung den größten AKW-Ausbau Deutschlands seit 20 Jahren
beantragte. Die thermische Leistung sowohl von Block B wie auch C
sollte von 3.840 auf 4.100 Megawatt erhöht werden.
Damit sollte die
elektrische Leistung jeder der zwei Reaktoren von 1.344 auf 1.450
Megawatt gesteigert werden. AKW Gundremmingen und Bayerns Staatsregierung
scheuten offenbar den Widerstand der Bürgerinnen und Bürger. Über
den Antrag auf Leistungserhöhung des ohnehin schon größten und strahlendsten
deutschen Atomkraftwerkes wurde die Öffentlichkeit nicht informiert.
Erst die regionale Anti-Atom-Bürgerinitiative machte das gefährliche
Vorhaben bekannt.
Die Umweltschützer
brachten ans Licht, dass die Atomer den Reaktor schärfer fahren und
ihn somit quasi frisieren wollten. Ohne Umbauten, ohne zusätzliche
Sicherheitsvorkehrungen sollte durch Verstellen der Umwälzpumpe und
Anpassung der Steuerstabregelung die thermische Leistung der Siedewasserreaktoren
erhöht werden. Dies darf nicht verwechselt werden mit Leistungserhöhungen
im Nicht-Reaktor-Bereich, also durch Optimierungen der Turbine oder
des Kühlsystems der Kondensationskammer. Noch nie zuvor ist eine thermische
Leistungserhöhung in einem deutschen Siedewasserreaktor genehmigt
worden.
Nachdem die Bürgerinitiative
Öffentlichkeit hergestellt hatte, behauptete die Gundremminger AKW-Leitung,
diese Leistungserhöhung sei technisch kein Problem und man rechne
in rund eineinhalb Jahren mit der Genehmigung. Dennoch weigerte sich
die Staatsregierung die Öffentlichkeit an dem Genehmigungsverfahren
zu beteiligen.
Jedoch die Atomstromer
konnten nicht die erforderlichen Sicherheitsnachweise erbringen. Der
ursprüngliche Genehmigungsantrag musste zurückgezogen werden und durch
einen Antrag mit geringerer Vergrößerung der Reaktorleistung ersetzt
werden. Im Bayerischen Landtag lehnte die CSU-Mehrheit zuerst eine
Petition ab, im Rahmen einer Öffentlichkeitsbeteiligung Einblick in
die Unterlagen zu gewähren und die Sicherheitsfragen auch mit atomkritischen
Fachleuten zu diskutieren. Im Frühjahr 2008 ließ dann die Landtags-CSU
geschlossen einen Antrag der Grünen scheitern, die Vergrößerung des
AKW Gundremmingen und die damit verbundene Erhöhung der radioaktiven
Emissionen wie auch des Atommülls abzulehnen. Aus dem Bayerischen
Umweltministerium hieß es schon im Dezember 2007, der Genehmigungsbescheid
sei fertig, man warte nur noch auf die Zustimmung des Bundesumweltministeriums.
Auch die gerade veröffentlichte Kinderkrebsstudie konnte die CSU-Politiker
bisher nicht umstimmen. Und dabei verzeichnet ohnehin in vielen Jahren
das AKW Gundremmingen heute schon die höchsten radioaktiven Freisetzungen
aller deutschen Kernkraftwerke. Die Leistungserhöhung führt aber,
wie selbst Bayerns Umweltministerium einräumte, auch zur radioaktiven
Emissionserhöhung. Die schwäbischen Umwelt- und Gesundheitsschützer
appellieren an die Bayerische Staatsregierung die Leistungsvergrößerung
des AKW Gundremmingens nicht zu genehmigen! Auch anderen deutschen
Atomkraftwerken (Brunsbüttel, Grafenrheinfeld) wurden wegen Sicherheitsbedenken
Anträge auf Leistungserhöhung abgelehnt.