FORUM wählte
neue Vorstände und diskutierte die ungelöste Atommüll-Entsorgung
Neuwahlen und
das ungelöste Atommüllproblem prägten die diesjährige Jahreshauptversammlung
des FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare
Energiepolitik e.V.
1. Verein wartet
auf "Karlsruhe", wächst weiter und wählte neu
Seit über zwei
Jahren liegt die von fünf Nachbarn des AKW Gundremmingen mit Hilfe
des FORUMS eingereichte Verfassungsbeschwerde gegen das gefährliche
Zwischenlager in Karlsruhe. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts
selber ist Berichterstatter. Aber bis heute gibt es keine Nachricht
aus Karlsruhe. Die Zahl der FORUM-Mitglieder wächst langsam weiter.
Jetzt sind es über 700 Bürgerinnen und Bürger die die Arbeit gegen
die Atomkraft und für die verantwortbare Energiepolitik unterstützen.
Auf der Jahreshauptversammlung wählten die Mitglieder einen neuen
Vorstand. Ulli Brenner aus Ellerbach, Monika Hitzler aus Kicklingen
und Raimund Kamm aus Augsburg führen die Umwelt- und Gesundheitsschützer
an.
2. Schlechte
Nachrichten vom Berliner Endlagersymposium
Raimund Kamm berichtete
vom großen deutschen Endlagersymposium. Es ist ungeheuerlich aber
wahr: Seit 1957 werden in deutschen Reaktoren Atomkerne gespalten.
Dabei wurden bis heute etwa 12.800.000 Kilogramm tödlich strahlender
Atommüll erzeugt. Kein Kilo dieses verstrahlten Kernbrennstoffs wurde
bisher entsorgt. Auch in allen anderen Atomländern unserer Erde konnte
noch kein Endlager verwirklicht werden. Die entscheidende Anforderung
an ein Atommüll-Endlager: Es muss den Strahlenmüll etwa eine Million
Jahre zuverlässig einschließen.
Die Atomkraftwerke
sind also ohne Entsorgung und arbeiten dennoch weiter. Die Fachleute
diskutieren seit Jahrzehnten, ob für ein Endlager besser Salz- oder
besser Tonschichten tief in der Erde geeignet sind. Die dritte Gesteinsmöglichkeit,
Granit bzw. Gneis, gilt in Deutschland als eher ungeeignet. Salz hat
für die Aufbewahrung von Atommüll zwei gute Eigenschaften. Es leitet
Wärme ab und fließt unter Druck, so daß Hohlräume "zuwachsen". Aber
Salz ist aggressiv und zersetzt bald die eisernen Atommüllbehälter.
Eine Rückholung des Atommülls wird dadurch fast unmöglich. Gefährlich
ist, dass Salz selbst durch Wasser gelöst wird. An manchen Stellen
in unserer Erde gab es früher Salzstöcke, die aber über Jahrzehntausende
vom Wasser aufgelöst wurden. Nachteilig beim Salz ist auch, dass es
die Radionuklide stofflich nicht bindet.
Das andere denkbare
Wirtsgestein ist Ton, speziell Opalinuston. Frankreich und die Schweiz
suchen in diesen etwa 120 Millionen Jahre alten Ablagerungen nach
einem Endlager. Vorteil des Tons ist, dass er nicht aggressiv und
schlecht wasserlöslich ist sowie Radionuklide stofflich bindet. Nachteil
des Tons ist, dass er Wärme schlechter ableitet und Lücken unzulänglich
schließt.
Eine der größten
Tonschichten Deutschlands erstreckt sich vom westlichen Bodensee bis
an den Ostrand der Schwäbischen Alb. Unter Ulm soll diese Schicht
mächtig und für eine Endlagersuche interessant sein.
Die regierende
Große Koalition hat gerade in Berlin kleinlaut verkündet, dass sie
das Versprechen ihrer Koalitionsvereinbarung vom 11.11.2005 ("CDU,
CSU und SPD bekennen sich zur nationalen Verantwortung für die sichere
Endlagerung radioaktiver Abfälle und gehen die Lösung dieser Frage
zügig und ergebnisorientiert an. Wir beabsichtigen in dieser Legislaturperiode
zu einer Lösung zu kommen.") brechen und kein Endlager verwirklichen
wird.
So wird in Gundremmingen
Castor für Castor Deutschlands größtes Atommüll-Lager aufgebaut und
es ist völlig ungewiß wie es je wieder geräumt werden kann.
Auf der Jahreshauptversammlung
wurde erneut gefordert, auf keinen Fall auch noch die beantragte Leistungserhöhung
zu genehmigen. Denn diese würde die Gefahren und das Atommüllproblem
vergrößern. Auch steigen bei einer Leistungserhöhung die krankmachenden
Ableitungen radioaktiver Gase.
Als nächstes
wird das FORUM am 22. November bei einer Fachtagung in Augsburg die
Kinderkrebsstudie sowie die Risiken älter werdender Atomkraftwerke
mit Experten diskutieren.