Medienerklärung des Verein FORUM vom 20.11.08


FORUM wählte neue Vorstände und diskutierte die ungelöste Atommüll-Entsorgung

Neuwahlen und das ungelöste Atommüllproblem prägten die diesjährige Jahreshauptversammlung des FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

1. Verein wartet auf "Karlsruhe", wächst weiter und wählte neu

Seit über zwei Jahren liegt die von fünf Nachbarn des AKW Gundremmingen mit Hilfe des FORUMS eingereichte Verfassungsbeschwerde gegen das gefährliche Zwischenlager in Karlsruhe. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts selber ist Berichterstatter. Aber bis heute gibt es keine Nachricht aus Karlsruhe. Die Zahl der FORUM-Mitglieder wächst langsam weiter. Jetzt sind es über 700 Bürgerinnen und Bürger die die Arbeit gegen die Atomkraft und für die verantwortbare Energiepolitik unterstützen. Auf der Jahreshauptversammlung wählten die Mitglieder einen neuen Vorstand. Ulli Brenner aus Ellerbach, Monika Hitzler aus Kicklingen und Raimund Kamm aus Augsburg führen die Umwelt- und Gesundheitsschützer an.

2. Schlechte Nachrichten vom Berliner Endlagersymposium

Raimund Kamm berichtete vom großen deutschen Endlagersymposium. Es ist ungeheuerlich aber wahr: Seit 1957 werden in deutschen Reaktoren Atomkerne gespalten. Dabei wurden bis heute etwa 12.800.000 Kilogramm tödlich strahlender Atommüll erzeugt. Kein Kilo dieses verstrahlten Kernbrennstoffs wurde bisher entsorgt. Auch in allen anderen Atomländern unserer Erde konnte noch kein Endlager verwirklicht werden. Die entscheidende Anforderung an ein Atommüll-Endlager: Es muss den Strahlenmüll etwa eine Million Jahre zuverlässig einschließen.

Die Atomkraftwerke sind also ohne Entsorgung und arbeiten dennoch weiter. Die Fachleute diskutieren seit Jahrzehnten, ob für ein Endlager besser Salz- oder besser Tonschichten tief in der Erde geeignet sind. Die dritte Gesteinsmöglichkeit, Granit bzw. Gneis, gilt in Deutschland als eher ungeeignet. Salz hat für die Aufbewahrung von Atommüll zwei gute Eigenschaften. Es leitet Wärme ab und fließt unter Druck, so daß Hohlräume "zuwachsen". Aber Salz ist aggressiv und zersetzt bald die eisernen Atommüllbehälter. Eine Rückholung des Atommülls wird dadurch fast unmöglich. Gefährlich ist, dass Salz selbst durch Wasser gelöst wird. An manchen Stellen in unserer Erde gab es früher Salzstöcke, die aber über Jahrzehntausende vom Wasser aufgelöst wurden. Nachteilig beim Salz ist auch, dass es die Radionuklide stofflich nicht bindet.

Das andere denkbare Wirtsgestein ist Ton, speziell Opalinuston. Frankreich und die Schweiz suchen in diesen etwa 120 Millionen Jahre alten Ablagerungen nach einem Endlager. Vorteil des Tons ist, dass er nicht aggressiv und schlecht wasserlöslich ist sowie Radionuklide stofflich bindet. Nachteil des Tons ist, dass er Wärme schlechter ableitet und Lücken unzulänglich schließt.

Eine der größten Tonschichten Deutschlands erstreckt sich vom westlichen Bodensee bis an den Ostrand der Schwäbischen Alb. Unter Ulm soll diese Schicht mächtig und für eine Endlagersuche interessant sein.

Die regierende Große Koalition hat gerade in Berlin kleinlaut verkündet, dass sie das Versprechen ihrer Koalitionsvereinbarung vom 11.11.2005 ("CDU, CSU und SPD bekennen sich zur nationalen Verantwortung für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle und gehen die Lösung dieser Frage zügig und ergebnisorientiert an. Wir beabsichtigen in dieser Legislaturperiode zu einer Lösung zu kommen.") brechen und kein Endlager verwirklichen wird.

So wird in Gundremmingen Castor für Castor Deutschlands größtes Atommüll-Lager aufgebaut und es ist völlig ungewiß wie es je wieder geräumt werden kann.

Auf der Jahreshauptversammlung wurde erneut gefordert, auf keinen Fall auch noch die beantragte Leistungserhöhung zu genehmigen. Denn diese würde die Gefahren und das Atommüllproblem vergrößern. Auch steigen bei einer Leistungserhöhung die krankmachenden Ableitungen radioaktiver Gase.

Als nächstes wird das FORUM am 22. November bei einer Fachtagung in Augsburg die Kinderkrebsstudie sowie die Risiken älter werdender Atomkraftwerke mit Experten diskutieren.


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, daß wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und Mitte des Jahres 2008 ist es mit rund 750 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Energie-BI Süddeutschlands.

Jetzt warten wir auf den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts über unsere im September 2006 eingereichte Verfassungsbeschwerde. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt.