Medienerklärung des Verein FORUM vom 07.01.09


Neuer Strahlenschutzbericht der Bundesregierung zeigt:

Das AKW Gundremmingen liegt mit seinen Ableitungen radioaktiver Stoffe erneut in der Spitzengruppe

Der Ende 2008 veröffentlichte staatliche Jahresbericht „Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung“ für 2007 (der Staat veröffentlicht diese Zahlen leider mit fast einjähriger Verspätung) zeigt, dass das AKW Gundremmingen im Deutschlandvergleich mit die höchsten Freisetzungen radioaktiver Stoffe hat. Auch offenbart sich wieder: Die veralteten Siedewasserreaktoren leiten mehr strahlende Stoffe in die Umwelt , als die moderneren Druckwasserreaktoren. Unrühmlicher Spitzenreiter noch vor Gundremmingen ist das AKW Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. http://www.bmu.de/strahlenschutz/downloads/doc/38070.php

Die radioaktiven Stoffe werden in Gundremmingen als Abgas über einen 170 Meter hohen Kamin http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bild:Gundremmingen_Nuclear_Power_Plant.jpg&filetimestamp=20080803154539 und als Abwasser über einen in die Donau führenden Kanal frei gesetzt.

Zwar werden laut RWE die gültigen Grenzwerte deutlich unterschritten. Aber die wenigsten Menschen wissen, dass die Messungen die AKW-Betreiber selber machen. Unsere staatlichen Aufsichtsbehörden kontrollieren lediglich die Betreiber. Zur Verneblung der Reaktorvorgänge veröffentlicht man auch nur gemittelte Messwerte. Die Einzelmessungen mit manchmal erheblichen Belastungsspitzen werden als “Betriebsgeheimnis“ versteckt.

Die derzeit gültigen Grenzwerte schützen nicht vor Krebs

Bei der Festlegung der Grenzwerte in den 1960er Jahren wurde der Schutz vor Erbschäden („Gonadendosis“) mit dem Interesse am Ausbau der Atomanlagen abgewogen. Ein wirksamer Schutz vor einer krebsauslösenden Strahlenbelastung spielte bei der Festsetzung der noch heute gültigen Grenzwerte praktisch keine Rolle. Bundesumweltminister Gabriel räumte im Juni 2007 bei einer Internationalen Strahlenschutzkonferenz in Berlin ein, dass wegen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über das Entstehen strahlenbedingter Krebserkrankungen die Senkung der Grenzwerte dringend geprüft werden müsse. Auch die Kinderkrebsstudie vom Dezember 2007 (KiKK-Studie) beweist, dass mit der Nähe des Wohnortes zu Atomkraftwerken bei Kleinkindern die Krebs- und Leukämieerkrankungen stark zunehmen.

Siedewasserreaktoren haben die höchsten radioaktiven Emissionen

Der neue Bericht über die Strahlenbelastung in Deutschland belegt, dass insbesondere das radioaktive Jod-131, radioaktive Edelgase, der radioaktive Kohlenstoff C-14, radioaktive Schwebstoffe und das umstrittene Tritium aus den Kernkraftwerken frei gesetzt werden. Auffällig ist, dass wieder einmal die veralteten Siedewasserreaktoren, die im Unterschied zu den Druckwasserreaktoren nur einen Hauptkreislauf haben, die Liste der radioaktiven Vergifter anführen. Es sind dies die AKW Ohu/Isar, Philippsburg und Gundremmingen. Die anderen zwei deutschen Siedewasserreaktoren in den AKW Brunsbüttel und Krümmel, sind nach Störfällen seit Mitte 2007 außer Betrieb.

AKW Gundremmingen

Ist es wirklich ein „Zufall“, dass in der Umgebung des Gundremminger Kernkraftwerkes die Leukämierate bei Kleinkindern im Vergleich zu den anderen bayerischen AKWs am höchsten ist? (Diesen "Zufall" wollen uns die AKW-Betreiber glauben machen.) Ist es auch ein „Zufall“, dass auf der Homepage des AKW Gundremmingen www.krb.de das Wort Abgaskamin oder auch Schornstein fehlen?

 


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, dass wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und Mitte des Jahres 2008 ist es mit rund 700 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Energie-BI Süddeutschlands.

Im November 2008 wies das Bundesverfassungsgerichts unsere im September 06 eingereichte Verfassungsbeschwerde zurück. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt. Diese Klage ist bei den deutschen Gerichten erfolglos geblieben.