Medienerklärung des Verein FORUM vom 17.01.09


Medienerklärung zur gestrigen Atomforum-Meldung

Deutsches Atomforum versucht mit Strombilanz 08 zu blenden

2008 war aber seit 1992 das zweitschlechteste Jahr der Atomstromer

Stolz verkündete gestern das Deutsche Atomforum, dass im Jahr 2008 die deutschen AKW 148,8 Milliarden kWh Strom produziert haben. Im Vertrauen darauf, dass die deutschen Journalisten kaum noch recherchieren (können oder dürfen), verschweigen die Atomer, dass damit die AKW im Jahr 2008 das zweitschlechteste Stromergebnis seit 1992 erreicht haben. Siehe „Stromerzeugung nach Energieträgern von 1990 bis 2007 (in TWh) Deutschland insgesamt“: www.ag-energiebilanzen.de/viewpage.php?idpage=65

Selbstredend verschweigen sie die Radioaktivitätsabgaben an die Umwelt, die Krebstoten und die Atommüllproduktion. Siehe dazu: www.atommuell-lager.de/Presse/090114-pressemitteilung.htm

Alle deutschen AKW sind abgeschrieben und keines hat eine risikogerechte Haftpflichtversicherung

Auch die deutschen Atomkraftwerke sind alt und anfällig geworden. Ihre Konzeption stammt aus den 1960er Jahren. Alle sind bereits bilanziell abgeschrieben. Unerwarteter Verschleiß an Rohren und Absperrschiebern zwingt zu langwierigen Reparaturen. Die ältesten Anlagen, also die Blöcke in Biblis, Brunsbüttel sowie Philippsburg I und Neckarwestheim I haben viele Störungen und stehen häufig für Reparaturen still. Die alten Siedewasserreaktoren mit nur einem Hauptkreislauf bereiten den Ingenieuren besondere Probleme.

Man muss immer wieder daran erinnern: Kein AKW hat eine risikogerechte Haftpflichtversicherung. Im Falle eines Falles werden alle Steuerzahler zur Kasse gebeten und die Geschädigten werden nur zum Teil Schadenersatz bekommen. Bisher sind die Regierenden nicht bereit, endlich auch risikogerechte Haftpflichtversicherungen den AKW-Betreibern zur Pflicht zu machen. Hingegen trauen die Versicherungen immer weniger den Sicherheitsbehauptungen der AKW-Konzerne: In den letzten Jahren haben sie „im Kleingedruckten“ von Hausratsversicherungen, KfZ-Versicherungen usw. ausdrücklich die Entschädigung der Folgen von AKW-Unfällen oder –Anschlägen ausgeklammert.

Atomstrom ist schnell ersetzbar

Bis heute verhindert die starke Lobby der Atomkonzerne, dass wir den Atomstrom überflüssig machen. Das Umweltbundesamt hingegen hat schon im Jahr 2007 gezeigt, wie wir mit Effizienz und Erneuerbaren Energien schnell allen Atomstrom ersetzen können. Kraft-Wärme-Kopplung, Hochwirkungsgradelektromotoren, Verbot des Stand-by-Betrugs, Top-Runner-Programm, Nutzung der Windenergie auch in Süddeutschland sind die entscheidenden Elemente um den Atomstrom überflüssig zu machen und zugleich den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken.


ATOMFORUM-Meldung vom 16.01.09 im Wortlaut

Berlin, 16.01.2009 02/09 – Deutsches Atomforum e. V. (DAtF) >> Steigerung der Stromerzeugung in deutschen Kernkraftwerken Im Jahr 2008 haben die deutschen Kernkraftwerke ihre Bruttostromerzeugung um 5,9 Prozent erhöht. Sie stieg von 140,5 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) in 2007 auf 148,8 Mrd. kWh im vergangenen Jahr. An der Spitze steht dabei das Kernkraftwerk Isar 2 in Bayern mit einer Jahresproduktion von 12,1 Mrd. kWh bei einer Leistung von 1.475 Megawatt (MWe).

Die deutliche Produktivitätssteigerung der deutschen Kernenergiewirtschaft ist zu einem großen Anteil auch auf die Stromproduktion in den hessischen Kraftwerken Biblis A mit neun Mrd. kWh und Biblis B mit elf Mrd. kWh zurückzuführen. Nach Sanierungs- und Revisionsmaßnahmen ist Block B im Dezember 2007 und Block A im Februar 2008 wieder ans Netz gegangen. Die beiden Blöcke erzielten im vergangenen Jahr das beste Ergebnis in ihrer Betriebsgeschichte. Im Dezember 2008 erreichte Biblis B einen weiteren Meilenstein, als der Kraftwerksblock die Produktionsmarke von 250 Milliarden Kilowattstunden überschritt.

Nach den jüngsten Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen erhöhte sich der Anteil der Kernenergie am Primärenergieverbrauch in Deutschland von 11,1 Prozent im Jahr 2007 auf 11,5 Prozent im Jahr 2008. Bezogen auf den Gesamt-Primärenergieverbrauch von 480 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE) im vergangenen Jahr erhöhte sich dabei die Stromerzeugung aus den Kernkraftwerken um 5,7 Prozent auf 55,3 Mio. t SKE.

Die Zahlen belegen einmal mehr den herausragenden Beitrag der CO2-freien Stromerzeugung aus Kernenergie zur Versorgungssicherheit und den Klimaschutzanstrengungen Deutschlands. <<

www.kernenergie.net/r2/de/Presse/Pressearchiv/DAtF/artikel/2009-01-16_kernenergie.php?navanchor=1010026


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, dass wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und Mitte des Jahres 2008 ist es mit rund 700 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Energie-BI Süddeutschlands.

Im November 2008 wies das Bundesverfassungsgerichts unsere im September 06 eingereichte Verfassungsbeschwerde zurück. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt. Diese Klage ist bei den deutschen Gerichten erfolglos geblieben.