Schwäbisches
Solarkraftwerksgespräch - Ein Blick in eine bessere Energiezukunft
Vier Ingenieure
begeisterten beim schwäbischen Solarkraftwerksgespräch in Gundelfingen
an der Donau die eingeladenen Politiker und Bürger. Von den Energieexperten
erfuhren die Gäste, dass unsere Stromversorgung schon in zehn Jahren
viel umweltfreundlicher und auch regionaler als heute sein wird.
Ständige Fortschritte
in der Gebäudetechnik wie auch bei der Wind- und Solar-technik treiben
diese Entwicklung voran. Dr. Roland Bornemann, Entwicklungslei-ter
der Firma Gartner, die in Schwaben beheimatet und im Fassadenbau weltweit
führend ist, zeigte viele neue Bautechniken, um auch bei großen und
spektakulä-ren Gebäuden immer weniger Energie für das Heizen, Kühlen
und Beleuchten einsetzen zu müssen. In Deutschland verbrauchen wir
derzeit noch ein Drittel aller Energie für das Klimatisieren der Gebäude.
Ab 2019 sollen nach den Plänen der Europäischen Union alle neu gebauten
Gebäude sich zu 100 Prozent mit Erneu-erbaren Energien versorgen.
Die Gartner GmbH entwickelt und bietet hierfür die Gebäudehüllen und
produziert auf den eigenen Fabrikdächern Solarstrom.
Birgit Baindl
vom Landratsamt Fürstenfeldbruck konnte von einer vielen in Deutschland
unbemerkt gebliebenen Revolution erzählen: Der Kreistag dieses südwestlich
Münchens gelegenen Landkreises mit der höchsten Bevölkerungs-dichte
Bayerns hat im Jahr 2001 einstimmig beschlossen, dass der Landkreis
sich ab 2030 zu 100 Prozent mit Erneuerbaren Energien versorgen soll.
Durch Sparen und Effizienz wird der Energieverbrauch gesenkt und mit
immer mehr Hackschnit-zelheizungen, Photovoltaik-, Biogas- und Pflanzenölanlagen
werden die Energie-verbraucher umweltschonend versorgt. Zugleich machen
regionale Betriebe das Geschäft und die Zahlungen an Ölscheichs, Gaszaren
und Atomkonzerne sinken stetig. Steigende
Öl- und Gaspreise schrecken im Landkreis FFB bald nicht mehr.
Der Freisinger
Solaranlageninstallateur und Buchautor Andreas Henze stellte dar,
wie gewichtig die bisherigen Fortschritte der Photovoltaik sind. In
den letzten fünf Jahren wurde die Solarstromerzeugung in Deutschland
von 313 Millionen Kilo-wattstunden auf 4,3 Milliarden Kilowattstunden
verdreizehnfacht. Durch stark ge-sunkene Anlagenpreise beschleunigt
sich jetzt der PV-Absatz noch mal. Mußten die Kunden vor zwei Jahren
für kleinere und mittlere schlüsselfertige PV-Anlagen noch 5.000 Euro
je Kilowatt zahlen, liegt dieser Preis jetzt bei 3.500 Euro. Damit
können die Kunden Renditen von sieben und mehr Prozent erzielen und
unser Strom wird immer umweltfreundlicher.
Christian Hinsch,
Sprecher der in Rheinland-Pfalz beheimateten und weltweit täti-gen
Juwi AG schilderte eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Vor gut
zehn Jah-ren gegründet, baut die Firma große Windparks, Biogasanlagen
und Solarkraft-werke; auch viele in Bayerisch-Schwaben. Im letzten
Jahr wurde der Umsatz auf 400 Millionen Euro verdoppelt. Aktuell hat
die Firma 600 Mitarbeiter. Schon in drei Jahren möchte man eine Milliarde
Umsatz machen und 1000 Menschen Arbeit bieten. Und dies alles mit
dem Ziel: "100 % Erneuerbare Energie".
Andres Henze und
Juwi sehen große Zukunftschancen in Elektroautos, die mit Strom aus
Wind- und Solarkraftwerken fahren. Konkurrenzlos sparsam verbrauchen
diese E-Autos nur 10 - 20 Kilowattstunden Strom pro 100 Kilometer.
Das entspricht einem Benzin-verbrauch von 1 bis 2 Liter je 100 km.
Immer bessere Akkus verleihen diesen Fahrzeugen eine Reichweite von
heute über 200 Kilometern. Ein modernes Wind-kraftwerk kann etwa 1800
E-Autos versorgen oder der Besitzer eines E-Autos kann selber mit
22 Quadratmeter PV-Fläche genügend Strom für sein Auto erzeu-gen.
Wenn wir Millionen von E-Autos haben, und diese beim Nichtfahren "an
die Steckdose kommen", haben wir einen riesigen Stromspeicher, der
die vom Wind und der Sonnenstrahlung abhängige Stromerzeugung puffert.
Unser Fazit:
Die Probleme der Erderwärmung und der Atomtechnik bedrohen die Le-benschancen
unserer Nachkommen. Erfreulicherweise können uns großar-tige technische
Fortschritte helfen, in wenigen Jahrzehnten uns zu 100 % mit Erneuerbarer
Energie zu versorgen. Und das nutzt der regionalen Wirtschaft. Denn
dann werden nicht mehr täglich vier Euro pro Bürger an Ölscheichs,
Gaszaren, Kohlebarone und Uranminen bezahlt, sondern bleiben als Arbeits-löhne
und Gewinne in der Region.