Medienerklärung des Verein FORUM vom 31.05.09


Schwäbisches Solarkraftwerksgespräch - Ein Blick in eine bessere Energiezukunft

Vier Ingenieure begeisterten beim schwäbischen Solarkraftwerksgespräch in Gundelfingen an der Donau die eingeladenen Politiker und Bürger. Von den Energieexperten erfuhren die Gäste, dass unsere Stromversorgung schon in zehn Jahren viel umweltfreundlicher und auch regionaler als heute sein wird.

Ständige Fortschritte in der Gebäudetechnik wie auch bei der Wind- und Solar-technik treiben diese Entwicklung voran. Dr. Roland Bornemann, Entwicklungslei-ter der Firma Gartner, die in Schwaben beheimatet und im Fassadenbau weltweit führend ist, zeigte viele neue Bautechniken, um auch bei großen und spektakulä-ren Gebäuden immer weniger Energie für das Heizen, Kühlen und Beleuchten einsetzen zu müssen. In Deutschland verbrauchen wir derzeit noch ein Drittel aller Energie für das Klimatisieren der Gebäude. Ab 2019 sollen nach den Plänen der Europäischen Union alle neu gebauten Gebäude sich zu 100 Prozent mit Erneu-erbaren Energien versorgen. Die Gartner GmbH entwickelt und bietet hierfür die Gebäudehüllen und produziert auf den eigenen Fabrikdächern Solarstrom.

Birgit Baindl vom Landratsamt Fürstenfeldbruck konnte von einer vielen in Deutschland unbemerkt gebliebenen Revolution erzählen: Der Kreistag dieses südwestlich Münchens gelegenen Landkreises mit der höchsten Bevölkerungs-dichte Bayerns hat im Jahr 2001 einstimmig beschlossen, dass der Landkreis sich ab 2030 zu 100 Prozent mit Erneuerbaren Energien versorgen soll. Durch Sparen und Effizienz wird der Energieverbrauch gesenkt und mit immer mehr Hackschnit-zelheizungen, Photovoltaik-, Biogas- und Pflanzenölanlagen werden die Energie-verbraucher umweltschonend versorgt. Zugleich machen regionale Betriebe das Geschäft und die Zahlungen an Ölscheichs, Gaszaren und Atomkonzerne sinken stetig. Steigende Öl- und Gaspreise schrecken im Landkreis FFB bald nicht mehr.

Der Freisinger Solaranlageninstallateur und Buchautor Andreas Henze stellte dar, wie gewichtig die bisherigen Fortschritte der Photovoltaik sind. In den letzten fünf Jahren wurde die Solarstromerzeugung in Deutschland von 313 Millionen Kilo-wattstunden auf 4,3 Milliarden Kilowattstunden verdreizehnfacht. Durch stark ge-sunkene Anlagenpreise beschleunigt sich jetzt der PV-Absatz noch mal. Mußten die Kunden vor zwei Jahren für kleinere und mittlere schlüsselfertige PV-Anlagen noch 5.000 Euro je Kilowatt zahlen, liegt dieser Preis jetzt bei 3.500 Euro. Damit können die Kunden Renditen von sieben und mehr Prozent erzielen und unser Strom wird immer umweltfreundlicher.

Christian Hinsch, Sprecher der in Rheinland-Pfalz beheimateten und weltweit täti-gen Juwi AG schilderte eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Vor gut zehn Jah-ren gegründet, baut die Firma große Windparks, Biogasanlagen und Solarkraft-werke; auch viele in Bayerisch-Schwaben. Im letzten Jahr wurde der Umsatz auf 400 Millionen Euro verdoppelt. Aktuell hat die Firma 600 Mitarbeiter. Schon in drei Jahren möchte man eine Milliarde Umsatz machen und 1000 Menschen Arbeit bieten. Und dies alles mit dem Ziel: "100 % Erneuerbare Energie".

Andres Henze und Juwi sehen große Zukunftschancen in Elektroautos, die mit Strom aus Wind- und Solarkraftwerken fahren. Konkurrenzlos sparsam verbrauchen diese E-Autos nur 10 - 20 Kilowattstunden Strom pro 100 Kilometer. Das entspricht einem Benzin-verbrauch von 1 bis 2 Liter je 100 km. Immer bessere Akkus verleihen diesen Fahrzeugen eine Reichweite von heute über 200 Kilometern. Ein modernes Wind-kraftwerk kann etwa 1800 E-Autos versorgen oder der Besitzer eines E-Autos kann selber mit 22 Quadratmeter PV-Fläche genügend Strom für sein Auto erzeu-gen. Wenn wir Millionen von E-Autos haben, und diese beim Nichtfahren "an die Steckdose kommen", haben wir einen riesigen Stromspeicher, der die vom Wind und der Sonnenstrahlung abhängige Stromerzeugung puffert.

Unser Fazit: Die Probleme der Erderwärmung und der Atomtechnik bedrohen die Le-benschancen unserer Nachkommen. Erfreulicherweise können uns großar-tige technische Fortschritte helfen, in wenigen Jahrzehnten uns zu 100 % mit Erneuerbarer Energie zu versorgen. Und das nutzt der regionalen Wirtschaft. Denn dann werden nicht mehr täglich vier Euro pro Bürger an Ölscheichs, Gaszaren, Kohlebarone und Uranminen bezahlt, sondern bleiben als Arbeits-löhne und Gewinne in der Region.


Raimund Kamm - Vorstand


Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, dass wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und Mitte des Jahres 2008 ist es mit rund 700 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Energie-BI Süddeutschlands.

Im November 2008 wies das Bundesverfassungsgerichts unsere im September 06 eingereichte Verfassungsbeschwerde zurück. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt. Diese Klage ist bei den deutschen Gerichten erfolglos geblieben.