Medienerklärung des Verein FORUM vom 24.01.10

Noch längere Laufzeiten sind ein Spiel mit unserer Sicherheit
Wollen Union & FDP ihr Sicherheitsversprechen brechen?


Alt-AKW noch länger laufen zu lassen, obwohl sie dünn gebaut wurden und nicht gegen Anschläge geschützt sind, ist unverantwortlich! Auch sind die Alt-AKW bilanziell abgeschrieben und technisch verschlissen. Will denn die Regierung ihr Versprechen brechen, dass die Sicherheit oberste Priorität habe? Wir fordern: Neckarwestheim 1 abschalten!
Das AKW Neckarwestheim 1 ist schon in den 1960er Jahren konstruiert, ab 1972 gebaut und 1976 in Betrieb genommen worden. Abgeschrieben wurde es – EnBW drückt sich um klare Aussagen – in 21 Jahren. Somit ist es seit über zehn Jahren „verbraucht“. Es ist billiger und dünner gebaut als die neueren Kernkraftwerke. Gegen Flugzeugabstürze und Terroranschläge ist es nicht gewappnet. Es ist verschlissen; nicht alle Verschleißteile können ersetzt werden. Eine risikogerechte Haftpflichtversicherung hat es nicht, „weil das Risiko schlecht kalkulierbar und zu teuer ist“.

Das AKW Neckarwestheim 1 hatte viel mehr meldepflichtige Störungen als die anderen AKW. Aus der Statistik des Bundesamtes für Strahlenschutz über meldepflichtige Störungen sieht man, dass der nebenan stehende Block 2, der 1989 in den Regelbetrieb ging, im Schnitt vier meldepflichtige Ereignisse pro Jahr hatte; der ältere Block 1 jedoch 13. Neckarwestheim 1 hatte im Schnitt auch vier Mal so viele meldepflichtige Schnellabschaltungen, quasi Vollbremsungen des Reaktors, wie der jüngere Block 2.

Die Bundesregierung aus Union und FDP hat immer wieder versprochen, eine Laufzeitverlängerung auf Kosten der Sicherheit werde es nicht geben.

Und jetzt erwägt sie, genau dies doch zu tun. Eine Übertragung von Strommengen von neueren auf ältere Anlagen bedeutet, eine Übertragung von unsicheren auf noch wesentlich unsicherere Anlagen.

Würden Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel einen solchen Antrag trotzdem genehmigen, würden sie die atomare Bedrohung von uns Menschen im weiten Umkreis erhöhen. Und im Falle eines Falles sind je nach Windrichtung und –stärke auch Menschen in Frankfurt, Nürnberg, München oder Karlsruhe bedroht. In Stuttgart und allen Regionen dazwischen sowieso.

Unfassbar: Kein Kilo des verstrahlten Kernbrennstoffs ist entsorgt

Seit 1976 läuft der Block 1. Rund 540.000 Kilogramm Uranspaltstoff (zur Verharmlosung wird häufig Brennstoff gesagt, weil abbrennen und Abgebranntes harmlos wirkt. Dabei explodiert im Reaktor geradezu die Radioaktivität auf rund das Zehnmilliardenfache des Ausgangszustands!) wurden zu hochradioaktivem Atommüll. Noch kein Kilo ist entsorgt! Dieser Atommüll kann nicht recycelt werden – man muss hunderttausende Jahre warten, bis er abgeklungen ist. Dennoch AKW weiter zu betreiben, ist ein Verbrechen an unseren Nachkommen!

Stichworte zum Alt-AKW Neckarwestheim 1
Beginn des kommerziellen Betriebs: 1.12.1976. Leistung: 840 Megawatt (MW) brutto und ca. 780 MW netto. Typ Druckwasserreaktor.
Nebenan läuft seit 1989 Neckarwestheim 2, ebenfalls ein DWR mit aber 1.400 MW brutto.
Das Alt-AKW hat an Strom produziert:
2006: 6,2 Terawattstunden (TWh = Mrd. kWh) 2007: 5,2 TWh; 2008: 4,2 TWh; 2009: 4,8 TWh.
Bis Ende 2009 hatte der Block insgesamt 197,4 Milliarden Kilowattstunden Strom und schätzungsweise 540.000 Kilogramm verstrahlte Brennelemente erzeugt, die wegen ihrer tödlichen Strahlung eine Million Jahre sicher eingeschlossen werden müssen.
Auch EnBW tabuisiert alle Informationen zum in seinen Atomkraftwerken erzeugten Atommüll. Und die meisten Journalisten fragen auch nicht nach. Jeden Tag werden, wenn Block 1 läuft, rund 50 Kilo Brennstoff verstrahlt und zu hochradioaktivem Müll.
www.enbw.com/content/de/der_konzern/enbw_gesellschaften/enbw_kernkraft/standorte/neckarwestheim/index.jsp
Anfang 2010 hatte das AKW noch rund 1,8 TWh Reststrom. Pro Monat könnte der Altmeiler rund 600 Millionen Kilowattstunden (0,6 TWh) Strom erzeugen. Schon seit 2007 läuft das AKW stark gedrosselt, und erzeugt rund 400 Millionen kWh (0,4 TWh) je Monat. Wenn es so weiter liefe, würde das Stromkontingent im Mai 2010 aufgebraucht sein und die Betriebserlaubnis erlöschen.


Wir Umweltschützer wollen diesen Umweltverderbern in den Arm fallen

Die skrupellosen Atomer, die trotz der zunehmenden Gefahren und des ungelösten Atommüllproblems die Laufzeit verlängern wollen, müssen gestoppt werden! In Neckarwestheim wie in Biblis, in Brunsbüttel wie in Krümmel und auch in Gundremmingen! Unser FORUM klärt auf und will bei Großaktionen der Umweltschützer mitmachen.


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, daß wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und im Herbst 07 ist es mit rund 720 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Anti-Atom-BI Süddeutschlands.

Jetzt warten wir auf den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts über unsere Verfassungsbeschwerde. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt.