Noch längere Laufzeiten sind ein Spiel mit unserer Sicherheit
Wollen Union & FDP ihr Sicherheitsversprechen brechen?
Alt-AKW noch länger laufen zu lassen, obwohl sie dünn gebaut wurden und nicht gegen Anschläge
geschützt sind, ist unverantwortlich! Auch sind die Alt-AKW bilanziell abgeschrieben und technisch
verschlissen. Will denn die Regierung ihr Versprechen brechen, dass die Sicherheit oberste
Priorität habe? Wir fordern: Neckarwestheim 1 abschalten!
Das AKW Neckarwestheim 1 ist schon in den 1960er Jahren konstruiert, ab 1972 gebaut und 1976
in Betrieb genommen worden. Abgeschrieben wurde es – EnBW drückt sich um klare Aussagen –
in 21 Jahren. Somit ist es seit über zehn Jahren „verbraucht“. Es ist billiger und dünner
gebaut als die neueren Kernkraftwerke. Gegen Flugzeugabstürze und Terroranschläge ist es nicht
gewappnet. Es ist verschlissen; nicht alle Verschleißteile können ersetzt werden. Eine
risikogerechte Haftpflichtversicherung hat es nicht, „weil das Risiko schlecht kalkulierbar
und zu teuer ist“.
Das AKW Neckarwestheim 1 hatte viel mehr meldepflichtige Störungen als die anderen AKW.
Aus der Statistik des Bundesamtes für Strahlenschutz über meldepflichtige Störungen sieht
man, dass der nebenan stehende Block 2, der 1989 in den Regelbetrieb ging, im Schnitt vier
meldepflichtige Ereignisse pro Jahr hatte; der ältere Block 1 jedoch 13. Neckarwestheim 1
hatte im Schnitt auch vier Mal so viele meldepflichtige Schnellabschaltungen, quasi
Vollbremsungen des Reaktors, wie der jüngere Block 2.
Die Bundesregierung aus Union und FDP hat immer wieder versprochen, eine Laufzeitverlängerung
auf Kosten der Sicherheit werde es nicht geben.
Und jetzt erwägt sie, genau dies doch zu tun. Eine Übertragung von Strommengen von neueren
auf ältere Anlagen bedeutet, eine Übertragung von unsicheren auf noch wesentlich unsicherere
Anlagen.
Würden Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle
(FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel einen solchen Antrag trotzdem genehmigen, würden sie
die atomare Bedrohung von uns Menschen im weiten Umkreis erhöhen. Und im Falle eines Falles
sind je nach Windrichtung und –stärke auch Menschen in Frankfurt, Nürnberg, München oder
Karlsruhe bedroht. In Stuttgart und allen Regionen dazwischen sowieso.
Unfassbar: Kein Kilo des verstrahlten Kernbrennstoffs ist entsorgt
Seit 1976 läuft der Block 1. Rund 540.000 Kilogramm Uranspaltstoff (zur Verharmlosung wird
häufig Brennstoff gesagt, weil abbrennen und Abgebranntes harmlos wirkt. Dabei explodiert
im Reaktor geradezu die Radioaktivität auf rund das Zehnmilliardenfache des Ausgangszustands!)
wurden zu hochradioaktivem Atommüll. Noch kein Kilo ist entsorgt! Dieser Atommüll kann nicht
recycelt werden – man muss hunderttausende Jahre warten, bis er abgeklungen ist. Dennoch AKW
weiter zu betreiben, ist ein Verbrechen an unseren Nachkommen!
Stichworte zum Alt-AKW Neckarwestheim 1
Beginn des kommerziellen Betriebs: 1.12.1976. Leistung: 840 Megawatt (MW) brutto und ca.
780 MW netto. Typ Druckwasserreaktor.
Nebenan läuft seit 1989 Neckarwestheim 2, ebenfalls ein DWR mit aber 1.400 MW brutto.
Das Alt-AKW hat an Strom produziert:
2006: 6,2 Terawattstunden (TWh = Mrd. kWh) 2007: 5,2 TWh; 2008: 4,2 TWh; 2009: 4,8 TWh.
Bis Ende 2009 hatte der Block insgesamt 197,4 Milliarden Kilowattstunden Strom und
schätzungsweise 540.000 Kilogramm verstrahlte Brennelemente erzeugt, die wegen ihrer
tödlichen Strahlung eine Million Jahre sicher eingeschlossen werden müssen.
Auch EnBW tabuisiert alle Informationen zum in seinen Atomkraftwerken erzeugten Atommüll.
Und die meisten Journalisten fragen auch nicht nach. Jeden Tag werden, wenn Block 1 läuft,
rund 50 Kilo Brennstoff verstrahlt und zu hochradioaktivem Müll.
www.enbw.com/content/de/der_konzern/enbw_gesellschaften/enbw_kernkraft/standorte/neckarwestheim/index.jsp
Anfang 2010 hatte das AKW noch rund 1,8 TWh Reststrom. Pro Monat könnte der Altmeiler rund 600
Millionen Kilowattstunden (0,6 TWh) Strom erzeugen. Schon seit 2007 läuft das AKW stark gedrosselt,
und erzeugt rund 400 Millionen kWh (0,4 TWh) je Monat. Wenn es so weiter liefe, würde das Stromkontingent
im Mai 2010 aufgebraucht sein und die Betriebserlaubnis erlöschen.
Wir Umweltschützer wollen diesen Umweltverderbern in den Arm fallen
Die skrupellosen Atomer, die trotz der zunehmenden Gefahren und des ungelösten Atommüllproblems
die Laufzeit verlängern wollen, müssen gestoppt werden! In Neckarwestheim wie in Biblis, in
Brunsbüttel wie in Krümmel und auch in Gundremmingen! Unser FORUM klärt auf und will bei
Großaktionen der Umweltschützer mitmachen.