Medienerklärung des Verein FORUM vom 03.02.10

Wider die neuen Irreführungen durch die RWE Manager im AKW Gundremmingen
Atomkraftwerke passen nicht zu Wind- und Solarstrom

Im heutigen Jahrespressegespräch des AKW Gundremmingen wurde die neue Propagandalinie der Atomstromer verkündet. Atomkraftwerke seien bestens regelbar und passten gut zu den Windkraftwerken. Die Zahlen der Stromböse widerlegen diesen Unfug. Deswegen fordern wir Umwelt- und Gesundheitsschützer: Aus AKW mach WKA!

RWE Direktor C. Quick behauptete heute in Gundremmingen, die Regelfähigkeit der Kernkraftwerke unterstütze die Erneuerbaren Energien. Als Beleg führte er an, dass RWE das Gundremminger AKW Weihnachten 2009 gedrosselt habe, weil die Stromnachfrage gering und das Windstromangebot groß war.

Ein Blick auf die Zahlen der Leipziger Strombörse entlarvt diese neue Propagandalinie:
1. Beispiel: Weihnachten 2009 lag der Kilowattstundenpreis bei minus 20 cent je Kilowattstunde. RWE & Co hatten ihre Gas- und Steinkohlekraftwerke auf praktisch Null und ihre AKW etwas gedrosselt und dennoch gab es ein großes Stromüberangebot. Der Strompreis fiel deswegen weit ins Minus. Die AKW konnten eben nicht genügend geregelt werden.

2. Beispiel: Dem Vernehmen nach sind seit September 2008 schon an rund 130 Tagen wegen großer Windstromerzeugung die Strompreise an der Börse ins Minus gerutscht. Die Kernkraftwerke wurden dennoch nicht gedrosselt. RWE Direktor Dr. H. Bläsig sagte es selber heute in Gundremmingen. Originalton: „Wir sind fast durchgängig mit Volllast Strich durchgefahren, …“

Man kann Kernkraftwerke aus Sicherheitsgründen in Sekundenschnelle sogar ganz abschalten. Man kann auch ihre Leistung drosseln. Aber die Alt-AKW sind „auf Vollgas ausgelegt“. Wenn man ihre Leistung rauf und runter fährt, strapaziert dies die Anlagen übermaßen. So wie auch Autos bei vielen Lastwechseln („Stopp und go“) übermaßen abgenutzt werden. Und die Alt-AKW sind ja schon vollständig abgeschrieben und laufen bereits länger als ursprünglich geplant.

Eine zukunftsfähige Energietechnik basiert auf Strom aus Erneuerbaren Energien, also Wind- und Solarstrom, Biomasse- und Biogasanlagen, Wasserkraft und Geothermie. Dies erfordert auch einen weiträumigen Stromverbund, denn wenn in Deutschland der Wind infolge eines Hochdruckgebietes kaum weht, bläst dieser zwangsläufig am Rande des Hochdruckgebietes, also in Ost- oder Westeuropa, Süd- oder Nordeuropa. Zukunftsfähige Stromversorgung schafft auch intelligente Verbrauchssteuerung, so dass Großverbraucher bevorzugt dann Strom verbrauchen, wenn Sonne und Wind günstig sind. Und wir werden Stromspeicher in Form von Pumpspeicher- oder auch Druckluftspeicherkraftwerken nutzen.

Insofern gilt: Aus AKW mach WKA.


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, daß wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und im Herbst 07 ist es mit rund 720 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Anti-Atom-BI Süddeutschlands.

Jetzt warten wir auf den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts über unsere Verfassungsbeschwerde. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt.