Medienerklärung des Verein FORUM vom 16.06.10

Stromüberschuss auf Rekordhöhe
Neue Handelszahlen widersprechen der Stromlücken-Lüge

Nach jetzt veröffentlichten Zahlen hat Deutschland im ersten Vierteljahr 2010 doppelt so viel Strom exportiert wie importiert. Allein der Ausfuhrüberschuss war größer als die Gesamtproduktion der sieben alten deutschen Atomreaktoren Neckarwestheim I (1976), Biblis A (1974), Biblis B (1976), Brunsbüttel (1976), Isar 1 (1977), Unterweser (1978) und Krümmel (1983). .

Deutschland importiert und exportiert schon immer viel Strom. Mal haben die Österreicher viel Wasserkraftstrom, meistens suchen die Italiener französischen Strom, der häufig über Deutschland und dann Österreich oder die Schweiz nach Italien fließt und dabei die deutsche Stromhandelsbilanz aufbläht. Und fast immer haben die Deutschen Strom im Überfluss. Aufschlussreich ist der Saldo von Stromexporten minus Stromimporten. Noch in den 1990er Jahren waren Deutschlands Stromein- und -ausfuhren ausgeglichen. In manchen Jahren ein kleines Plus - z.B. 1992 ein Ausfuhrüberschuss von 5,3 Milliarden Kilowattstunden, auch Terawattstunde, TWh, genannt- und in anderen Jahren ein kleines Minus - z.B. 1995 ein Einfuhrüberschuss von 4,8 TWh.

Mit dem stürmischen Ausbau der Windkraftwerke, der Biogas- und Photovoltaikanlagen stieg Deutschlands Stromexportüberschuss: Im Jahr 2005 schon 8,5 TWh, 2007 bereits 19,1 TWh und im Jahr 2009 dann 14,3 TWh. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen der Verbände der deutschen Energie-wirtschaft hat gerade einen Bericht zum Energieverbrauch im 1. Quartal 2010 veröffentlicht. www.ag-energiebilanzen.de/viewpage.php?idpage=118.

Die Zahlen der AG Energiebilanzen zeigen für das erste Vierteljahr 2010 Rekordwerte: 9 Milliarden Kilowattstunden wurden importiert und 18 Milliarden exportiert. Nie zuvor hat Deutschland in nur einem Vierteljahr einen Stromexportüberschuss von 9 Milliarden kWh erzielt.

Rechnerisch wurde somit die Produktion von sieben großen und besonders gefährlichen Atomreaktoren für den Ausfuhrüberschuss exportiert. Diese Zahlen zeigen: Deutschland hat keine Stromlücke sondern einen wachsenden Stromüberschuss. Das Abschalten der Alt-AKW ist aus Sicherheitsgründen und wegen der ungelösten Atommüllentsorgung sofort nötig! Die aktuellen Handelszahlen zeigen, dass dies nicht einmal die deutsche Stromversorgung beeinträchtigt.

Und wir können es noch viel besser. So weist das Bundesumweltamt darauf hin, dass wir schnell jährlich 110 Milliarden Kilowattstunden sparen können allein mit Hochwirkungsgradmotoren mit lastabhängiger Drehzahlreglung, Unterbindung der Leerlaufverluste, Top-Runner-Programm usw. Wenn wir endlich die von den Verschwendungsinteressierten blockierten Effizienzmöglichkeiten nutzen und die Erneuerbaren Energien vernünftig weiter ausbauen, können wir schnell die gefährlichen und ohne Entsorgung laufenden Atomkraftwerke abschalten sowie Zug um Zug auch die klimavergiftenden Kohlekraftwerke stilllegen.


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, daß wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und im Herbst 07 ist es mit rund 720 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Anti-Atom-BI Süddeutschlands.