Medienerklärung des Verein FORUM vom 30.06.10

Dillingen: Bund Naturschutz und Bürgerinitiative FORUM fordern:
Atomkraft abschalten - Windkraft nutzen

Die Gefahren der Atomkraft treiben beide Gruppen um. Deswegen diskutierten miteinander in Dillingen der Bund Naturschutz (BN) und Aktive der Bürgerinitiative (BI) FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik. Dabei ging es auch um Meinungsunterschiede bezüglich der Windkraftnutzung.

Unmut war zwischen dem BN und der BI entstanden. So traf man sich zur freimütigen Aussprache in Dillingen.

„Immer heißt es, der Bund Naturschutz ist gegen Windkraftwerke. So war es vor Jahren in Weisingen, und so hört man es jetzt von Wittislingen, Zöschingen und Ziertheim. Gleichzeitig ist aber doch der Bund Naturschutz für den Klimaschutz und sogar für den sofortigen Atomausstieg. Wie passt das zusammen?“ fragten Ulli Brenner und Monika Hitzler vom FORUM.

„Wir wollen den schnellstmöglichen Atomausstieg! Denn im Falle eines großen Unfalls würden tausende Menschen getötet und ganze Landkreise unbewohnbar gemacht. Auch ist es ein Verbrechen, tödlich strahlenden Atommüll zu produzieren und keine Entsorgung zu haben! Ebenfalls wichtig ist es, unser Klima zu schützen und deswegen haben wir als BN das Ziel: In einer Generation soll unser Energieverbrauch zu 100 % aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden.“ Entgegnete Dieter Leippert, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Dillingen. Und er setzte fort: „Auch der Landkreis Dillingen braucht 20 bis 30 moderne Windkraftwerke. Eine allein kann den Privatverbrauch von 4000 Einwohnern decken. Bei der Standortauswahl müssen neben der Windstärke die Gebote des Arten- und Naturschutzes entscheiden. Wir müssen das Kollisionsrisko seltener Vögel wie Uhu und Rotmilan durch geeignete Maßnahmen auf ein Minimum reduzieren und im Extremfall einen besseren Standort für die eine oder andere Windkraftanlage suchen.

Die Vorstände des FORUM bekundeten Verständnis für Skepsis in der Bevölkerung: „Jedes Windrad verändert das Landschaftsbild und ist gewöhnungsbedürftig. Auch werden einzelne Flugtiere gefährdet. Aber wir müssen allen auch bewusst machen, wie viel Landschaft in entfernten Ländern durch den Uranabbau nicht nur verunstaltet sondern auch vergiftet wird. Deswegen müssen wir auch in Schwaben konsequent für eine Senkung des verschwenderisch hohen Energieverbrauchs eintreten. Die erforderliche Energie muss mittelfristig vollständig aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden. Dafür können und müssen wir Wasser- und Windkraft, Pflanzen und Solarenergie nutzen!“

Bund Naturschutz und FORUM betonen: „Wir treten ein für den Bau von Windkraftwerken auch in Ziertheim und Zöschingen. Wir suchen das Gespräch mit Bürgern und Fachleuten, um die örtlichen Bürgervorbehalte und Naturschutzprobleme zu diskutieren und gegebenenfalls Planverbesserungen zu erarbeiten.“

BI und BN sind sich einig, dass Naturschutzargumente nicht für Atominteressen missbraucht werden dürfen. Deshalb wollen beide Gruppierungen im Herbst gemeinsam eine Veranstaltung über Windkraftnutzung und Vogelschutz durchführen und an Demonstrationen für den Atomausstieg in Berlin und München teilnehmen.


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, daß wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und im Herbst 07 ist es mit rund 720 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Anti-Atom-BI Süddeutschlands.

Jetzt warten wir auf den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts über unsere Verfassungsbeschwerde. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt.