Medienerklärung des Verein FORUM vom 05.07.10

Bilanz zum 30.6.2010 und Kalenderblatt 7. Juli 1987
Kein Siegeszug der Atomenergie

Die Zahlen der IAEA(Internationale Atomenergieagentur)zum 30.6.10 zeigen Erfreuliches: Weltweit sind im ersten Halbjahr 2010 nur zwei neue Atomkraftwerke ans Netz gegangen. Da Dutzende der laufenden 438 AKW alt, abgenutzt und abgeschrieben sind, und deswegen in den kommenden Jahren still gelegt werden, können auch die sieben zusätzlichen AKW-Baustellen den weltweiten Bestand nicht sichern. Der Anteil der Atomenergie an der Welt-Energieversorgung sinkt immer tiefer. Zurzeit rund zwei Prozent.

Im ersten Halbjahr 2010 hat je ein Kernkraftwerk in Russland und in Indien den Dauerbetrieb begonnen. Eines in Frankreich wurde endgültig still gelegt. Sieben AKW-Baustellen wurden eröffnet: vier in China, zwei in Russland und eine in Brasilien. www.iaea.org/programmes/a2/index.html

Seit vielen Jahren wird ein Wiederaufstieg der Kernkraft angekündigt. Aber er findet Gott sei Dank nicht statt. Neue AKW-Baustellen werden zudem fast nur in staatskapitalistischen Systemen begonnen. Die ständig komplexer und deswegen teurer zu bauenden Anlagen unterliegen im Wettbewerb mit dem besseren Elektrizitätssystem, das auf immer preiswertere Erneuerbare Energien sowie zur Ergänzung auf relativ billige Gaskraftwerke setzt. Der Anteil der Atomenergie an der weltweiten Energieversorgung sinkt und liegt nach den Zahlen der Internationalen Energieagentur www.iea.org/ bei rund zwei Prozent.

100 Prozent Energieversorgung

Wie viel Unheil wir schon abgewendet haben, zeigt unser Kalenderblatt: vom 7. Juli 1987. www.atommuell-lager.de/Kalender-Blaetter/kalender-07.php Damals berichtete unter der Überschrift „Kernkraft soll zu 100 Prozent die Energieversorgung sichern“ die Augsburger Allgemeine (in Bayern die Tageszeitung mit den meisten Abonnenten) über einen Vortrag von Franz Drobek, Vorstand der schwäbischen RWE-Tochter LEW, beim Wirtschaftsbeirat der CSU:

>> „Unsere Aufgabe ist es, die Jugend eben von dieser Sicherheit der Kernkraftwerke in der Bundesrepublik zu überzeugen. Dazu müssen wir in die Schulen und Betriebe gehen“, so Drobek. Momentan werden 63 Prozent des Strombedarfs in Bayern von Kernkraftwerken gedeckt, in der gesamten Bundesrepublik sind es rund 35 Prozent. „Dies kann jedoch nur als Ausgangsbasis dienen. Erstrebenswert ist eine 100 prozentige Energieversorgung mit Kernenergie. Ebenso Kernkraftwerke in Stadtnähe, die jede einzelne Stadt nach Bedarf beliefern“, erklärte er seine Zukunftsvorstellung. <<

Geschafft hat die LEW mit Hilfe der CSU-Staatsregierung den Weg zu den Schülern. Überall findet die Atomenergiewerbung der LEW statt. Täglich sind schwäbische Schulklassen zu Besuch im Werbezentrum des AKW Gundremmingen.

Atomkraft schrumpft und Erneuerbare Energien gewinnen

Aber wir Umweltschützer haben im Verbund mit vernünftigen Parteien und den innovativen Firmen der Erneuerbaren Energien die Weichen für eine andere, eine verantwortbare Energiepolitik gestellt: Im Jahr 2009 deckte die Atomenergie nur noch 24 Prozent des deutschen Nettostromverbrauchs. Die Erneuerbaren Energien schon 18 Prozent. Wenn heute von 100 Prozent gesprochen wird, meinen alle damit, dass in etwa dreißig Jahren wir unseren Strom zu 100 Prozent aus Sonne, Wasser, Wind, Biomasse etc. erzeugen werden.


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, daß wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und im Herbst 07 ist es mit rund 720 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Anti-Atom-BI Süddeutschlands.

Jetzt warten wir auf den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts über unsere Verfassungsbeschwerde. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt.