Süddeutsches Strompreisseminar in Augsburg
Strompreiserhöhungen sind überflüssig
Zu guten Anbietern wechseln!
Bei einem überfüllten Strompreisseminar in Augsburg haben
sich im Dezember Mitglieder süddeutscher AntiAtom- und
Solarinitiativen über den Stromhandel und die Strompreise
informiert. Fazit: Strompreiserhöhungen sind von der Kostenseite her
nicht gerechtfertigt und durch die Gewinnsucht einiger Stromkonzerne
begründet. Dringende Empfehlung: Von schlechten zu guten
Stromanbietern wechseln!
Nur die Erneuerbaren Energien werden günstiger
Zu Beginn des Seminars betonten für die Veranstalter Professor
Ernst Schrimpff (Freising) und Diplomökonom Raimund Kamm (Augsburg),
dass auf Dauer nur die Erneuerbaren Energien günstige Preise ermöglichen.
Denn Erdgas, Kohle, Öl und Uran sind endliche Rohstoffe, gehen zur
Neige und werden zwangsläufig teurer. Sogar Kriege um diese Energiestoffe drohen.
Nur die von der Sonne rührenden Erneuerbaren Kräfte wie Solar-, Wind-, Wasser-
und Bioenergie, nutzen eine unerschöpfliche und kostenlose Quelle. Die für
die Gewinnung erforderlichen Anlagen werden dank technischer Fortschritte
immer preiswerter. Noch vor 200 Jahren schöpften die Menschen alle Energie
aus Erneuerbaren Quellen. Die Nutzung der fossilen Energierohstoffe wird in
der Menschheitsgeschichte nur eine kurze Episode bleiben. In den nächsten 30
bis 40 Jahren können wir schon wieder eine umweltfreundliche Vollversorgung
mit Erneuerbaren Energien schaffen.
Preistreibende Oligopolisten
Der Saarbrücker Volkswirtschaftsprofessor Uwe Leprich stellte dar, dass die
Strompreise am stärksten durch die Preispolitik der Großkraftwerksbesitzer
wie auch die zunehmenden Aufschläge der Stromkonzerne nach oben gehen. Fast 80
Prozent der deutschen Stromerzeugung seien in Besitz von EnBW, EON, RWE und
Vattenfall. Das Bundeskartellamt erreiche nur langsam etwas, um die preistreibende
Marktmacht dieser vier zu brechen. An der Strombörse jedoch seien die Einkaufspreise
im letzten Jahr um mehrere Cent je Kilowattstunde gesunken.
Auch die Bundesnetzagentur schaffe es nur mühsam, die von den mächtigen
Stromnetzbesitzern überhöhten Preise für Transport und Verteilung des Stroms
etwas zu verringern.
Günstige Ökostromer und eine preisbrechende Genossenschaft
Fabian Rieger berichtete als Vertreter der Ökostromfirma Naturstrom, dass sie
ihren Strom aus neuen Windkraftwerken und aus alten Wasserkraftwerken beziehen.
Für 7,95 Euro im Monat und 21,25 Cent je Kilowattstunde beliefern sie
Privathaushalte. Preiserhöhungen seien nicht geplant.
Erstaunen löste der Vorstand Jürgen Kübler von der Ulmer Energiegenossenschaft
EnerGen Süd eG aus. Wer dort mit 100 Euro Geschäftsanteil und 20 Euro
Eintrittsgeld Mitglied wird, bekommt den Strom für einen Monatspreis von
6,50 Euro und 17,49 Cent je Kilowattstunde.
Die süddeutschen Umweltschützer planen, im Jahr 2011 möglichst viele Kunden
zu motivieren, sich von den umweltschädlichen und preistreibenden Stromkonzernen
wie auch deren Tochterfirmen zu verabschieden. Bessere Stromlieferanten gibt
es genug!
Strompreise der PV-Anlagen sanken – und sinken weiter
Der Strom aus Biomasse(gas)-, Solar- und Windanlagen muss nur noch
wenige Jahre gefördert werden. Dann ist er sogar im heute verzerrten
Markt wettbewerbsfähig. Neue Windkraftanlagen in Süddeutschland
liefern den Strom schon für 9 ct/kWh. Die günstigsten nach dem 1.1.2011
neu ans Netz gehenden PV-Anlagen werden den Strom für 21,56 ct/kWh
verkaufen. Damit ist der Preis für PV-Strom innerhalb von zwei Jahren
dank großartiger technischer Fortschritte um 40 Prozent gesunken, in
manchen Fällen gar halbiert!
Zudem ist der Strom aus Photovoltaikanlagen in zweifacher Hinsicht
preisdämpfend: Er wird überwiegend in den Mittagsstunden produziert,
wenn Stromverbrauch und Börsenpreis am höchsten sind. Er drückt dann
das gesamte Preisniveau. Und der Solarstrom wird dezentral, nah bei
den Stromkunden erzeugt, so dass er nicht die Fernleitungen belastet.
Zu guten Anbietern wechseln
Von Jahr zu Jahr sinken die Kosten der Erneuerbaren Energien. Würden
Atom- und Kohlekraftwerke auch die auf die Gesellschaft abgewälzten
Folgekosten für den Atommüll wie die Atomrisiken und die Klimaschäden
ehrlich bezahlen, wären heute schon der Solar- und der Windstrom
günstiger. Und wer sich dem Preisdiktat der Stromkonzerne beugt,
die immer neue Rekordgewinne anstreben, ist selber schuld. Vier gute
Ökostromfirmen und preisbrechende Genossenschaften bieten bessere Alternativen.