Harrisburg (1979) – Tschernobyl (1986) – Fukushima (2011)
Sind wir lernfähig?
Japan wurde vom stärksten Erdbeben seit Beginn der japanischen Erdbebenaufzeichnungen
getroffen. Diese Stärke übertraf jedoch nicht die Prognosen, mit welchen Erdstößen in
dem Land zu rechnen ist. Jetzt sieht es so aus, dass das Leid der durch die Erdstöße
und die folgenden Überflutungen getroffenen Menschen noch weit übertroffen wird durch
die nun folgenden Atomkatastrophen.
Die japanischen Stromkonzerne haben auf billiger zu bauende Siedewasserreaktoren gesetzt.
Dieser Reaktortyp verfügt nur über einen Hauptkreislauf. Die meisten Atomkraftwerke
bestehen hingegen aus Druckwasserreaktoren mit zwei Hauptkreisläufen.
Auch in Deutschland wissen die Experten um die zusätzlichen Gefahren der Siedewasserreaktoren.
Sechs von den siebzehn deutschen Atomreaktoren sind von diesem Typ. Die zwei in Brunsbüttel
und in Krümmel liegen seit über drei Jahren still, weil Unfälle und Altersschäden ihnen zu
schaffen machen. Die süddeutschen Siedewasserreaktoren Philippsburg 1 und Isar 1 sollen
wegen nicht behebbarer Bauschwächen seit Jahren endgültig abgeschaltet werden. Bleiben
noch die Gundremminger Reaktoren. In diesen aus Nordrhein-Westfalen von RWE und Eon
betriebenen Reaktoren werden sogar in großem Maße plutoniumhaltige MOX-Brennelemente
benutzt. Über eine ausreichende Haftpflichtversicherung verfügt auch dieses AKW nicht,
weil die Risiken die Versicherungsprämie so teuer machen würde, dass die atomare
Stromerzeugung sich nicht mehr lohnte.
Wir Umweltschützer weisen seit Jahrzehnten darauf hin, dass allein durch ein Abstellen
des völlig unsinnigen Stand By Stromverbrauchs so viel Strom in Deutschland eingespart
würde, wie das AKW Gundremmingen erzeugt. Und dass wir mit Energieeffizienz wie
vernünftigem Ausbau der Erneuerbaren Energien schnell alle Atomreaktoren überflüssig
machen können.
Sind wir wenigstens jetzt mit den fürchterlichen Bildern aus Japan vor Augen
lernfähig? Werden diejenigen PolitikerInnen unseres Landes, die seit Jahren wieder
auf Atomkurs sind und sogar eine Laufzeitverlängerung für die abgeschriebenen
deutschen Alt-AKW durchgesetzt haben, ihren Irrtum einräumen und korrigieren? Werden
wir Bürgerinnen und Bürger die Atomkonzerne durch Wechsel zu ökologischen Stromfirmen
zur Vernunft bringen und zugleich die Atomfanatiker in der Politik aus ihren Ämtern
abwählen?
Konkrete Forderungen in Süddeutschland:
- Die acht ältesten und am schlechtesten gebauten deutschen Atomkraftwerke Biblis A (1974), Brunsbüttel (1976), Neckarwestheim 1 (1976), Biblis B (1976), Isar 1 (1977), Esenshamm/Unterweser (1978), Philippsburg I (1979) und wegen der Leukämieerkrankungen Krümmel (1983) schnellstmöglich und endgültig stilllegen. Die AKW Brunsbüttel wie Krümmel sind wegen Störungen und zur Reparatur von Altersschäden seit dreieinhalb Jahren außer Betrieb
- Die verbleibenden zwei gefährlichen Siedewasserreaktoren Gundremmingen B und C noch im Jahr 2011 endgültig abschalten
- Die restlichen sieben Kernkraftwerke schnellstmöglich außer Betrieb nehmen
- Zum kurzfristigen Ersatz der Atomkraftwerke müssen Gas-, Kohle- und Ölkraftwerke vermehrt laufen. Die hierdurch für einige Jahre zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen müssen an anderer Stelle eingespart werden. Deshalb: Neue Häuser nur noch in klimaschonender Passivhausqualität bauen, Tempolimit 120, Güterverkehr vermehrt auf die Bahn, Öffentlichen Personenverkehr durchgreifend verbessern, Ökologisch soziale Steuerreform wieder fortsetzen, Beendigung aller Flugsubventionierungen
- Die Behinderung insbesondere durch Genehmigungsschikanen der Windkraft in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen beenden. Auch in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern sollen im Schnitt so viele Windkraftwerke laufen, wie in Rheinland-Pfalz. Rund eine Anlage pro 18 Quadratkilometer
- Der Ausbau der Photovoltaik darf nicht abgewürgt werden!
- Die energieeffiziente Kraft-Wärme-Kopplung, gerade auch in dezentralen Blockheizkraftwerken muss wieder vorangebracht werden
- Mit Lastmanagement, Energiespeichern und intelligentem Netzausbau die Voraussetzungen für eine Versorgung mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien schaffen
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