Medienerklärung des Verein FORUM vom 12.01.12

13. Januar 1977
Unfall mit Totalschaden von Block A in Gundremmingen

Am Freitag, 13. Januar 2012, jährt es sich zum 35-Mal, dass in Gundremmingen der Block A bei einem Unfall ruiniert wurde. Es war Deutschlands erster und bisher einziger AKW-Unfall mit Totalschaden.
Aus unserer Chronik des Gundremminger AKW und Atommüll-Lagers ( www.atommuell-lager.de/informationen/geschichte Atommuell-Lager16.12.11.pdf ):

>> 13.01.1977 Nach zwei durch Raureif verursachten Kurzschlüssen in den vom AKW Gundremmingen den Strom ableitenden Hochspannungsleitungen kommt es bei der notwendigen Schnellabbremsung des Reaktors zu Fehlsteuerungen, die zum Totalschaden führen. Im Vorfallbereicht des damals noch zuständigen Bundesinnenministeriums für die Jahre 1977/1978 heißt es nur: „Bruch an einem Stutzen des Primärsicherheitsventils D 14 sowie Risse an den Stutzen anderer Primärsicherheitsventile als Folge einer Überspeisung des Reaktordruckbehälters.“
In den Zeitungen steht hierüber, daß nach einem Störfall alles planmäßig funktioniert und für die Bevölkerung keine Gefahr bestanden habe. Das bayerische Umweltministerium und die Leitung des AKW erklären sogar dreist, „in die Umgebung des Kernkraftwerks seien keine radioaktiven Stoffe gelangt. Weder für das Personal noch für die Bevölkerung hätte irgendeine Gefahr bestanden.“ Man werde in einigen Wochen wieder den Betrieb aufnehmen.
Aber vier Tage später, am 17.1.1977, wurde, wie aus einer den Umweltschützern später zugespielten Kopie ersichtlich ist, eine Luftspülung des Sicherheitsbehälters vorgenommen. Dabei wurden Edelgase mit einer Radioaktivität von 100 Curie ( 3.700.000.000.000 Becquerel ) und das biologisch extrem gefährliche Jod131 mit 1,2 mCi ( 44.400.000 Bq) in die Umgebungsluft abgelassen. Dies wurde in den Nachbargemeinden nicht bekannt gegeben. Es wurden vermutlich auch große Radioaktivitätsmengen mit dem Abwasser in die Donau geleitet. Zahlen hierüber liegen den Umweltschützern bis heute nicht vor.
Nie wurde öffentlich eingestanden, daß es einen Totalschaden gegeben hatte. Auch wurde nie öffentlich gemacht, daß der Block A schon im Normalbetrieb viel Radioaktivität an die Umwelt abgegeben hat.
Und insbesondere: Bis heute ist die Entsorgung („Entsorgung bedeutet die sichere Lagerung, Behandlung und Endbeseitigung.“ Aus: “Wohin mit dem nuklearen Abfall?“ Schriftenreihe des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Oktober 1983, S.76) des Atommülls ungelöst.
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Sieben von neun Siedewasserreaktoren wurden in Deutschland bereits still gelegt

Der Block A in Gundremmingen war Deutschlands erstes Großkernkraftwerk und ein Siedewasserreaktor (SWR). Dieser Reaktortyp hat nur einen Hauptkreislauf im Unterschied zu den meist gebauten Druckwasserreaktoren (DWR) mit zwei Hauptkreisläufen. Die vier in Fukushima vor zehn Monaten zerstörten Atommeiler waren auch alle vier Siedewasserreaktoren. Sie haben demonstriert, dass das bei SWR bauartbedingt außerhalb des Sicherheitsbehälters angelegte Abklingbecken bei Unfällen – Erdbeben wie Anschlägen – viel gefährlicher ist als bei DWR.

In Deutschland wurden neun Siedewasserreaktoren gebaut: VAK Kahl, Gundremmingen A, Würgassen, Brunsbüttel, Krümmel, Isar 1, Philippsburg 1, Gundremmingen B, Gundremmingen C.
Sieben sind bereits still gelegt. In Deutschland laufen nur noch zwei der gefährlichen Siedewasserreaktoren. Alle beide in Gundremmingen.


Raimund Kamm - Vorstand

Schluss mit Atom - wir kaufen nicht bei RWE + LEW den Strom

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, dass wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns bis etwa 2035 zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und Mitte des Jahres 2009 ist es mit rund 720 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Energie-BI Süddeutschlands und zweitgrößte deutsche AntiAtom-Gruppe.

Im November 2008 wies das Bundesverfassungsgericht unsere im September 06 eingereichte Verfassungsbeschwerde zurück. Wir beklagen, dass die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt. Diese Klage ist bei den deutschen Gerichten bisher erfolglos geblieben. Wir sind überzeugt: Gerade bei Berücksichtigung des ‚Kalkar-Urteils’ vom 8. August 1978 des Bundesverfassungsgerichts, in dem steht, dass die Nutzung der Kernkraft nur derzeit noch verfassungskonform ist, weil alle Gefährdungen hypothetisch seien, muss man angesichts der späteren Erfahrungen von Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986), New York (2001) und Fukushima (2011) erkennen, dass die Nutzung der Atomkraft real sogar landesgefährlich ist und gegen unsere Grundrechte verstößt und somit verfassungswidrig ist.
Nach § 17 des Atomgesetzes ist eine Widerrufung der Betriebsgenehmigung geboten.

Von den Atomkonzernen zu den Ökostromfirmen wechseln!
Frauen und Männer wählen, die konsequent
für Atomausstieg und Klimaschutz eintreten!