Medienerklärung des Vereins FORUM vom 03.01.14

AKW Gundremmingen Bilanz 2013
Risiken nicht gelöst – Atommülldesaster wächst

Das AKW Gundremmingen hat im Jahr 2013 rund 20,5 Milliarden Kilowattstunden Strom geliefert. Der Stromexportüberschuss Deutschlands lag im selben Jahr mit einem Allzeitrekord bei über 30 Milliarden Kilowattstunden. Die desaströse Gundremminger Kehrseite ist die Erzeugung von etwa 45.000 Kilo hochradioaktiven Atommülls im Jahr 2013. Kein Kilo wurde entsorgt. Alles nur gefährlich oberirdisch zwischengelagert. Bei der notwendigen Sicherung des Zwischenlagers durch neue Atommauern wurden keine Fortschritte erzielt.

Im schwäbischen Gundremmingen zwischen Augsburg und Ulm läuft Deutschlands größtes und gefährlichstes Atomkraftwerk. Einzigartig in Deutschland, dass hier gleich zwei Reaktoren an einem Standort in Betrieb sind. Und einzigartig in Deutschland, dass sie vom alten Typ Siedewasserreaktor sind.

Diese beiden Reaktoren haben im Jahr 2013 rund 45.000 Kilogramm hochradioaktiven Atommüll erzeugt. Nicht die Masse ist das Problem sondern die tödliche Strahlung, die von diesem Müll ausgeht. Weniger als ein Tausendstel Gramm würden reichen, um einen Menschen zu töten.

Obwohl seit 1966 in Gundremmingen Atomstrom und somit auch Atommüll erzeugt wird, wurde noch kein Kilo entsorgt. Einiges wird in Ahaus, Gorleben, Lubmin und Sellafield zwischengelagert. Nahezu die Hälfte allen je in Gundremmingen erzeugten Atommülls lagert noch in Gundremmingen.

Im Jahr 2013 konnten aus den Abklingbecken keine verbrauchten Spaltelemente in Castoren umgepackt werden. Die Internationale Atomenergie Organisation IAEA hat die Bauweise der bisher verwendeten Castoren V/52 bemängelt. Jetzt gibt es keine zugelassenen Castoren mehr. Zulassung und Bau neuer Castoren haben sich verzögert.

So sind die gefährlichen zwei Abklingbecken in Gundremmingen sehr voll. Eigentlich haben sie bei Kompaktlagerung Platz für 3.219 Spaltelemente. Aber 784 Plätze müssen als Reserve für eine eventuelle Notentladung der Reaktoren frei gehalten werden. Von jeweils 2423 nutzbaren Plätzen sind jetzt 2086 bzw. 2176 Plätze belegt. Eigentlich sollen verbrauchte Spaltelemente nur etwa fünf Jahre im Abklingbecken bleiben. In Gundremmingen sind jedoch schon Spaltelemente länger als 15 Jahre in den Abklingbecken.

Und diese Gundremminger Abklingbecken liegen zwar im Reaktorgebäude aber nicht innerhalb des Sicherheitsbehälters. Bei allen anderen noch in Deutschland laufenden AKW werden die Abklingbecken durch die Sicherheitsbehälter („Containment“) der AKW zusätzlich geschützt.

Im Zwischenlager stehen 41 Castoren. Nach nicht öffentlich diskutierten Bedrohungsanalysen des Bundesinnenministeriums müssen heute Anschläge mit Tatmitteln einkalkuliert werden, denen die Castoren in den Zwischenlagern nicht standhalten. Aber man hat auch im Jahr 2013 keine bessere Sicherungstechnik gefunden.


Raimund Kamm - Vorstand


FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager
und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.
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www.atommuell-lager.de  

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Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, dass wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns bis etwa 2035 zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und Mitte des Jahres 2009 ist es mit rund 720 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Energie-BI Süddeutschlands und zweitgrößte deutsche AntiAtom-Gruppe.

Im November 2008 wies das Bundesverfassungsgericht unsere im September 06 eingereichte Verfassungsbeschwerde zurück. Wir beklagen, dass die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt. Diese Klage ist bei den deutschen Gerichten bisher erfolglos geblieben. Wir sind überzeugt: Gerade bei Berücksichtigung des ‚Kalkar-Urteils’ vom 8. August 1978 des Bundesverfassungsgerichts, in dem steht, dass die Nutzung der Kernkraft nur derzeit noch verfassungskonform ist, weil alle Gefährdungen hypothetisch seien, muss man angesichts der späteren Erfahrungen von Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986), New York (2001) und Fukushima (2011) erkennen, dass die Nutzung der Atomkraft real sogar landesgefährlich ist und gegen unsere Grundrechte verstößt und somit verfassungswidrig ist.
Nach § 17 des Atomgesetzes ist eine Widerrufung der Betriebsgenehmigung geboten.