Medienerklärung des Verein FORUM vom 16.11.06

Vier deutsche AKWs sind schon wegen mangelhafter Dübel abgeschaltet.

Warum darf der Block B in Gundremmingen trotzdem immer noch laufen?

Nach Biblis A, Biblis B und Gundremmingen C wurde am 15. November auch der Reaktor in Brokdorf wegen der Risiken durch mangelhafte Dübel vorläufig still gelegt. Es besteht die Gefahr, daß die Aufhängungen wichtiger Leitungen bei starken Erschütterungen nicht halten.

Sicherheitsfachleute sprechen von latenten ("eingebauten") Fehlern, die erst in bestimmten Situationen wirksam und gefährlich werden. Jahrelang haben die Verantwortlichen von RWE (Essen) und der bayerischen Aufsichtsbehörde unter Umweltminister Dr. Schnappauf (München) die Fehler nicht bemerkt. Als dann im hessischen Biblis die unzulänglichen Dübelbefestigungen aufgefallen waren, und deswegen beide Reaktoren abgeschaltet wurden, hat man auch in Gundremmingen nachgeschaut. Die AKWs sind von der selben Baufirma Hochtief, die früher zur RWE gehört hat, errichtet worden.

Dem Vernehmen nach mußten in Bayern die Verantwortlichen erst von der Bundesregierung gedrängt werden, auch in Gundremmingen durchzugreifen. Das RWE-Prinzip "Gewinn vor Sicherheit" funktioniert weiter. Deutschlands größter Stromerzeuger, der die Betriebsführung für 5 deutsche Atommeiler hat (Lingen = Emsland, Biblis A, Biblis B, Gundremmingen B, Gundremmingen C) möchte nicht noch ein AKW verlieren. In Gundremmingen wurde deswegen nur Block C, dessen Revision ohnehin bald anstand, abgeschaltet.

Im Block B ist weiterhin das Maschinenhaus, durch das der Hauptkreislauf des AKWs führt (diese veralteten Siedewasserreaktoren haben nur einen Hauptkreislauf) nicht ausreichend gegen starke Erschütterungen, wie Erdbeben oder Anschläge, ge-schützt. Im Falle des Falles könnte es katastrophal ausgehen. RWE (75 % Anteil) und EON (25 % Anteil) setzen in Gundremmingen unsere Sicherheit aufs Spiel.

Auch die verantwortliche Aufsicht im Bayerischen Umweltministerium verweigert uns Sicherheit und außerdem Informationen. Ein Ministerium, das zum Ruhme seines Ministers auch Kleinigkeiten an die Öffentlichkeit bringt, schweigt sich e-benso im Fall des havarierten Castors aus. Seit dem 23. September steht dieser mit fest steckendem Deckel neben hunderten verstrahlten Brennelementen in dem zum Kompaktlager erweiterten Abklingbecken.

Heute am 16.11.06 berät der Umweltausschuss des bayerischen Landtags einen Antrag der Grünen, den Block B in Gundremmingen still zu legen, bis alle gedübelten Auf-hängungen die vorgeschriebene Qualität haben.

Raimund Kamm (Vorstand)