Bayerns Regierung
manipuliert die CO2-Bilanzen und verfehlt offenbar sogar die selbst
gesteckten Ziele
Die Staatsregierung
versucht sich als erfolgreiche Klimaschützerin darzustellen, und scheut
dafür nicht einmal die Unterdrückung von CO2-Statistiken. Damit soll
wohl vertuscht werden, daß auch Bayern nicht die nötigen Fortschritte
beim Klimaschutz macht.
Jahrzehntelang
hat man in Deutschland die CO2-Entwicklung primär mit der Verursacherbilanz
dargestellt. Im Auftrag der Bundesländer macht dies die Länderarbeitsgemeinschaft
Energiebilanzen. Danach hat Bayern im Jahr 1990 rund 113 Millionen
Tonnen CO2 verursacht. 1998
waren es dann 123,5 und im Jahr 2001 schon 127,4 Millionen Tonnen.
Bei der Verursacherbilanz wird der Endenergieverbrauch erfasst (zum
Beispiel Stromverbrauch, Heizung und Autoverkehr) und daraus berechnet,
wie viel CO2-Emissionen dies verursacht.
Parallel hierzu
wird eine Quellenbilanz erstellt. Dazu wird aus dem Verkauf von Kohle,
Öl und Gas berechnet, wie viel CO2 entsteht.
Der Flugverkehr,
der der am schnellsten wachsende CO2-Emittent ist, wird nach Vereinbarung
der Länderregierungen sogar in beiden Statistiken ausgeklammert.
Bei der Quellenbilanz
fällt auch der Tanktourismus unter den Tisch. Berichte aus Österreich
besagen, dass fast ein Drittel des dort verkauften Sprits in ausländische
Fahrzeuge fließt.
Sehr unterschiedlich
wird auch die Stromerzeugung in einerseits der Quellen- und andrerseits
der Verursacherbilanz erfasst. Durch Atomstrom entsteht erheblich
weniger CO2 als durch Kohlestrom. Und das beim Uranabbau (für eine
Tonne Uranbrennstoff müssen rund 13.000 Tonnen Uranerz gefördert werden)
und der Urananreicherung entstehende CO2 wird ja in anderen Ländern
emittiert. Die Quellenbilanz verzeichnet damit null CO2. Wohingegen
die Verursacherbilanz wenigstens anteilig CO2 für die in Deutschland
erfolgende Urananreicherung berücksichtigt. Wenn Atomkraftwerke still
stehen, wie z.B. im Herbst 06 wegen Dübelproblemen die Gundremminger
Blöcke B und C (viel bedeutsamer der schon über sechs Monate währende
Stillstand von Biblis A und B in Hessen) und ersatzweise Strom aus
Kohlekraftwerken anderer Länder beschafft wird, verzeichnet die eigene
CO2-Quellenbilanz null CO2. Die Verursacherbilanz hingegen rechnet
dem Stromverbrauch immer das CO2 entsprechend des deutschen Energiemix
an.
Wie irreführend
eine reine Quellenbilanz ist, macht das Beispiel des fiktiven „Millionärsdorfs“
deutlich. Wenn dieses mit Fernwärme aus der Nachbarstadt beheizt wird,
keine Tankstelle hat und den Strom aus einem entfernten Kohlekraftwerk
bezieht, weist es in der Quellenbilanz null CO2-Emissionen auf. In
der Verursacherbilanz würde man nach Strom- und Heizungsverbrauch
sowie Autoverkehr den verursachten CO2-Ausstoß berechnen.
Da die von Bayern
verursachten CO2-Emissionen sogar trotz nur geringen Wirtschaftswachstums
in den letzten Jahren gestiegen sind, hat die Staatsregierung angeordnet,
die Verursacherbilanz für Bayern nicht mehr auszuweisen und sogar
rückwirkend Bayerns Zahlen aus den deutschen Statistiken zu löschen.
Solche Manipulationen ist man eigentlich nur von autoritären, nicht
demokratischen Regimes gewohnt.
Aber selbst die
Zahlen der Quellenbilanz werden anders als z.B. Wirtschaftszahlen
nur mit mehrjähriger Verzögerung und ohne Zeitreihen veröffentlicht.
Damit wird vertuscht,
daß leider auch Bayern infolge viertelherziger energetischer Gebäudesanierung,
infolge Förderung des Auto- und Flugverkehrs, infolge Verweigerung
einer schon vor mehr als zehn Jahren im Landtag beschlossenen Aus-ist-Aus-Gesetz-Bundesratsinitiative
zur überfälligen Unterbindung von jährlich 20 Milliarden Kilowattstunden
Leerlaufverlusten elektrischer Geräte und auch infolge der beharrlichen
Torpedierung der Windenergie keine ernsthaften Fortschritte beim Klimaschutz
macht und anstelle dessen überwiegend Klimaschutztheater inszeniert,
um die Atomenergie wieder hoffähig zu machen.