Alles Siedewasserreaktoren
– Zufall?
Die meisten und
insbesondere die neueren Atomkraftwerke unserer Erde sind Druckwasserreaktoren
mit zwei Hauptkreisläufen. Bei ihnen führt die enorme Wärmefreisetzung
im Reaktor zu einer Druckerhöhung im Primärkreislauf und erst im Sekundärkreislauf,
der in einem Wärmetauscher aus dem Primärkreislauf die Energie übernimmt,
läßt man den Dampf für die Turbine entstehen. Im schwedischen Forsmark,
wo letztes Jahr ein Kurzschluss im Elektroteil beinahe zu einem Reaktorschmelzunfall
geführt hat, der nur durch das zwar vorschriftswidrige aber glückliche
Eingreifen eines Mitarbeiters verhindert wurde, im schleswig-holsteinischen
Brunsbüttel und im ebenfalls schleswig-holsteinischen Krümmel, wo
gestern zwei Reaktoren durch Kurzschlüsse im elektrischen Teil blitzschnell
abgeschaltet werden mußten, laufen Siedewasserreaktoren.
Diese veralteten
Reaktoren haben nur einen Hauptkreislauf. Für die Betreiber haben
sie jedoch den Vorteil, daß mit ihnen Lastsprünge gefahren werden
können. Die Reaktoren können in Sekundenschnelle um hunderte Megawatt,
also 100.000 Kilowatt und mehr, Leistung rauf und runter gefahren
werden. Das AKW Gundremmingen, das einmalig in Deutschland sogar aus
zwei Siedewasserreaktoren besteht, hat diesen Lastfolgebetrieb eigens
beantragt und von Bayerns Regierung genehmigt bekommen.
Diese Betriebsweise
belastet die AKW außerordentlich, so wie extremes Bremsen und Beschleunigen
ein Auto stark beansprucht. Hinzu kommt, dass in Siedewasserreaktoren,
in denen das Wasser im Reaktor zum Sieden, also zur Dampf- einschließlich
Blasenbildung gebracht wird – in Druckwasserreaktoren wird im Reaktorkreislauf,
dem Primärkreislauf, nur der Druck gesteigert - das Reaktorgefäß infolge
der die Neutronen kaum bremsenden Dampfblasen besonders stark angegriffen
und geschwächt wird. Auch geben, wie die offiziellen Jahresstrahlungsberichte
zeigen, die Siedewasserreaktoren im Durchschnitt mehr Radioaktivität
über den Kamin und das Abwasserrohr an die Umwelt ab als die Druckwasserreaktoren.
In Deutschland
laufen noch 17 AKW. Elf hiervon sind Druckwasserreaktoren: Biblis
A, Neckarwestheim 1, Biblis B, Unterweser (Esensham), Grafenrheinfeld,
Grohnde, Philippsburg II, Brokdorf, Isar II (Ohu 2), Lingen (Emsland),
und Neckarwestheim 2. Sechs sind vom alten Siedewassertyp: Brunsbüttel,
Isar I, Philippsburg I, Krümmel, Gundremmingen B, Gundremmingen C.
Jetzt stehen übrigens wenigstens fünf der 17 AKW still: Biblis A +
B (Reparatur eingebauter Dübelfehler), Gundremmingen B (Jahresrevision
und Maßnahmen wegen Hüllrohrschadens), Brunsbüttel, Krümmel.
Im Interesse
der Sicherheit und somit der Gesundheit der Menschen fordern wir,
dass unabhängige Fachleute untersuchen, welche besonderen und möglicherweise
mit dem Anlagenalter zunehmenden Risiken gerade die Siedewasserreaktoren
haben. Und die verantwortlichen Politiker sollen nicht auf egoistische
Einzelunternehmen hören, die noch längere Laufzeiten der AKW fordern.
Im Gegenteil: Die Gefahrzeit muß verkürzt, die AKW müssen schnell
abgeschaltet werden und die Maßnahmen zur Energieeinsparung, zur Steigerung
der Energieeffizienz und zum Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen
beschleunigt werden!