Medienerklärung des Verein FORUM vom 09.07.07

Kraftwerksgespräch klärte auf

Windkraft ist sauber und im Binnenland der Billigmacher

Erstmals hatte das FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik zum Kraftwerksgespräch eingeladen. Und der Saal würde überfüllt. Kommunalpolitiker, PfarrerInnen, Unternehmer, Schulleiter und Bürger ließen sich vom Referenten Professor Martin Kühn aus Stuttgart über die stürmische Entwicklung der Windenergie informieren:

Die Entwicklung der Windenergie in Deutschland ist schon bisher eine großartige Erfolgsgeschichte: Jetzt sind rund 7 Prozent unseres Stroms Windstrom, die Kosten dieses Stroms sind im Gegensatz zum Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken ständig gesunken, seit 1991 um über 60 Prozent. In wenigen Jahren wird Windstrom billiger als Strom aus neuen Kohle-, Gas- oder gar Atomkraftwerken sein. Wenn man die Umweltfolgekosten einrechnet, gehört heute schon der Windstrom zu den preiswertesten! Deutschlandweit haben über 75.000 Menschen einen Arbeitsplatz in dieser Branche. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zeigt sich in der auf etwa 70 Prozent angewachsenen Exportquote. In Deutschland ansässige Firmen sind in der Windenergie Technik – und Weltmarktführer. Die Entwicklung zum „Big Business“ beginnt aber erst.

Onshore – Offshore.

Derzeit arbeiten fast 20.000 Windkraftwerke in Deutschland. Praktisch alle an Land (onshore). Zukünftig sollen große Windkraftwerke mit 5.000 Kilowattleistung (5 MW) zu 20 bis 100 Anlagen als Windkraftparks im Meer (offshore) gebaut werden. Dort weht mehr und gleichmäßiger der Wind. Aber die Investitionen und die Unterhaltskosten werden überproportional steigen. Diese Anlagen rechnen sich laut neusten Regierungsaussagen nur, wenn ein Einspeisetarif von 12 und mehr Cent je Kilowattstunde Strom gezahlt wird. Zum Vergleich: Wer im Jahr 2007 auf dem Land eine Anlage baut, bekommt anfangs einen Preis von 8,2 Cent je kWh bezahlt.

In Süddeutschland weht im Schnitt weniger Wind. Aber Windgutachten zeigen, daß an hunderten von Standorten auch profitabel Windstrom erzeugt werden kann. Und natürlich ist es vorteilhaft, wenn auch die süddeutschen Stromverbraucher ihren Windstrom nur über kurze Entfernungen geliefert bekommen können. Windstrom wird wetterabhängig erzeugt. Sehr intensiv wird daran gearbeitet, durch Steuerung der Stromnachfrage, durch neue Druckluftspeicher usw. dies auszugleichen. Und irgendwo weht immer Wind, so daß der europaweite und sogar Nordafrika einbeziehende Ausbau der Windenergie in Verbindung mit verlustarmer Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) zukünftig diesen Nachteil stark mindern wird.

Raimund Kamm als Vorsitzender des FORUMS zog abschließend das Fazit:

  1. Wir wollen Windkraftwerke weil sie uns Strom produzieren ohne Atommüll und ohne Klimavergiftung. In rund 30 Jahren müssen wir durch a) Energiesparen und b) Steigerung der Energieeffizienz sowie c) Ausbau der Erneuerbaren Energien uns zu annähernd 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien versorgen!
  2. Man soll ruhig Schritt für Schritt große Windkraftwerke offshore errichten. Aber – und das muß laut gesagt werden – von dort kostet der Strom wenigstens 50 Prozent mehr als von Landanlagen. Insofern ist es im Interesse günstiger Strompreise für unsere Volkswirtschaft zwingend, auch große Windkraftwerke an passenden Standorten in Süddeutschland zu betreiben. Zudem können mit größeren Nabenhöhen und längeren Rotorblättern die süddeutschen Windnachteile zum Teil wett gemacht werden.
  3. Wir brauchen auch Biogas- und Fotovoltaikkraftwerke. Aber der Strom aus Biogasanlagen kostet fast doppelt und der aus PV-Anlagen gar fünfmal so viel wie der Strom aus Windkraftanlagen.
  4. Der Bau neuer Windkraftwerke mit z.B. 2.500 Kilowatt Leistung kostet ganz grob 2,5 Millionen Euro. Dieses Geschäft können kleinere und mittlere Unternehmen machen. Und sie zahlen hier Gewerbesteuer. Offshore ist der Aufwand viel höher, dort können im Grunde nur kapitalstarke Konzerne investieren. Diese erwarten aber auch eine Kapitalverzinsung von 15 und mehr Prozent. Die Bevorzugung von offshore-WEA schließt weitgehend kleine und mittlere Unternehmen vom Geschäft aus. Das ist inakzeptabel!
  5. Es wäre für Süddeutschland schlecht, wenn wir in der Zukunft überwiegend unseren Strom aus Nord- und Ostsee bezögen. Bei Netzstörungen gerade auch infolge von Stürmen oder gar Anschlägen würden bei uns die Lichter ausgehen.

    Raimund Kamm Vorstand