Medienerklärung des Verein FORUM vom 11.07.07

Nach den katastrophalen Erfahrungen im AKW Krümmel fordert das FORUM: Gundremminger Leistungserhöhung endlich ablehnen!

Das nach einem schweren Störfall abgeschaltete Kernkraftwerk Krümmel weist eine Besonderheit auf: Im AKW Krümmel wurde die größte Leistungssteigerung aller deutschen Siedewasserreaktoren vorgenommen. Seit September 2006 läuft der Reaktor mit einer von 1.260 auf 1.346 Megawatt gesteigerten elektrischen Nettoleistung. Der Reaktor kann also 6,8 Prozent mehr Strom über den Transformator ins Verbundnetz abgeben. Das Tunen des Kraftwerks wurde durch Änderungen an der Turbine erreicht.

Das AKW Krümmel ist ebenso wie die zwei Gundremminger Reaktorblöcke vom alten Siedewassertyp. Diese Reaktoren haben nur einen Hauptkreislauf und das Wasser siedet schon im Reaktor. Von dort strömt der Dampf in die Turbine im Maschinenhaus. Die Druckwasserreaktoren haben zwei Hauptkreisläufe und im Reaktorkreislauf steigt nur der Druck und erst im zweiten Kreislauf, der über einen Wärmetauscher aus dem Reaktorkreislauf die Wärme erhält, entsteht dann der Dampf, der wiederum die Turbine antreibt.

Die Siedewasserreaktoren haben für die Betreiber den Vorteil, dass ihre Leistung in Sekundenschnelle rauf und runter gefahren werden kann. Sie haben meistens sogar die Erlaubnis zum Lastfolgebetrieb. Allerdings geben sie im Schnitt auch mehr Radioaktivität an die Umwelt ab und weisen mehr Störungen auf. Besonders viele Sorgen macht, daß die Siedewasserreaktoren bauartbedingt durch Anschläge leichter aufzureißen sind.

Leistungserhöhungen führen dazu, dass die Atomanlagen, besonders die Generatoren und Transformatoren, stärker beansprucht werden. Mehrmals kollabierten Generatoren und Transformatoren einige Zeit nach dem Tunen der Atomkraftwerke. Zusammenhänge wurden von den Verantwortlichen immer abgestritten. Kritische Fachleute hingegen meinen, daß diese Betriebsweise die Kraftwerke stärker belaste, genauso wie ein Auto durch häufiges Beschleunigen und Bremsen mehr beansprucht wird. Und wenn ein Auto auch noch getunt wird, aber Bremsen und Getriebe nicht verstärkt werden, nehmen Störungen und Risiken zu.

Das AKW Gundremmingen hat im September 1999 eine große elektrische Leistungserhöhung von jeweils 106 MW pro Reaktor beantragt. Dies wurde nicht einmal der Öffentlichkeit mitgeteilt sondern erst durch uns Umweltschützer aufgedeckt. Dreist sagte dann das AKW Gundremmingen, solch eine Leistungserhöhung sei heute ein technisch einfaches Verfahren, mit vorbereitenden Arbeiten würde man gleich anfangen und in etwa eineinhalb Jahren rechne man mit der Genehmigung (AZ 5.11.1999, SZ 4. + 6.11.99, TAZ 4.11.99, Stgt. Z. 4.11.99). Wir Umweltschützer wiesen darauf hin, daß diese beispiellos große Leistungserhöhung von zusammen 212 MW mehr als die Hälfte der Leistung des AKW Obrigheim ausmache. Und wir forderten eine Beteiligung der Öffentlichkeit. Entsprechende Petitionen und Landtagsanträge wurden jedoch von der CSU und dem bayerischen Umweltministerium abgelehnt.

Zumindest hat auf unser Drängen hin, 1999 die Bundesregierung die für das Genehmigungsverfahren zuständige Bayerische Staatsregierung aufgefordert, alle Unterlagen in Berlin vorzulegen. Und offenbar tauchten immer mehr technische Schwierigkeiten auf. Der Genehmigungsantrag wurde durch einen neuen ersetzt. Aber bis heute wurde nichts entschieden und die Öffentlichkeit wurde entgegen der damaligen Versprechen wieder nicht informiert.

Wir fordern: Dieser Antrag auf Leistungserhöhung muß von den AKW-Betreibern zurückgezogen oder endlich von der Genehmigungsbehörde, dem bayerischen Umweltministerium, abschlägig beschieden werden!


Raimund Kamm Vorstand