Medienerklärung des Verein FORUM vom 12.07.07

Zur Erinnerung: Vor 45 Jahren Bauantrag für Deutschlands erstes kommerzielles Atomkraftwerk

13.07.1962 Die Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk GmbH (KRB) stellt "auf Drängen der Bundesregierung", wie es in der Chronik der Essener RWE heißt, den Bauantrag für das erste deutsche Großkernkraftwerk, den Block A in Gundremmingen. Ursprünglich sollte dieses AKW 50 Kilometer weiter donauabwärts in Bertoldsheim (LK Neuburg-Schrobenhausen) gebaut werden. Nach Einsprüchen der Stadt Nürnberg, die dort im Mündungsgebiet des Lechs Trinkwasserbrunnen haben, und der bayerischen Wasserschutzbehörden wurde das schwäbische Dorf Gundremmingen als Standort für Deutschlands erstes kommerzielles Kernkraftwerk ausgewählt. www.atommuell-lager.de/aktuell_kalender.php

Und wie ging es weiter?

Schon nach einem halben Jahr wurde die Baugenehmigung erteilt, weitere vier Jahre später ging im Dezember 1966 der Reaktor in den kommerziellen Betrieb. Am 13.1.1977 kam es dann zu einem schwerwiegenden Unfall: Nach einem externen Kurzschluss wurden bei der notwendigen Schnellabschaltung mehrere Fehler gemacht, die zu einem Totalschaden führten. Die dadurch in die Donau und über den Kamin frei gesetzten Radioaktivitätsmengen wurden nicht veröffentlicht.

Und heute?

Bis heute ist noch kein Kilogramm der hochradioaktiven Brennelemente entsorgt. Schwach- und mittelradioaktiver Atommüll aus dem Reaktor lagert in dem Versuchsendlager Asse II (LK Wolfenbüttel), das jetzt schon voll Wasser läuft. Auch die Experten wissen nicht, wie dieses Problem der „absaufenden“ Asse gelöst werden kann. Alle Kosten werden dort übrigens aus Steuergeldern bezahlt.

10,5 Tonnen Brennelementmüll wurden zur „Versuchswiederaufbereitungsanlage“ nach Karlsruhe gefahren. Dort hat man diesen Atommüll in Plutonium, Uran und Spaltprodukte getrennt. Recyceln kann man entgegen vieler Propagandaartikel die Brennelemente nicht! Die Karlsruher Anlage versucht jetzt die abgetrennten hochradioaktiven Spaltprodukte zu verglasen, was auch nur eine Zwischenlösung ist. Die Kosten von bisher rund 1,9 Milliarden Euro werden von den Steuerzahlern beglichen. Rechnerisch entfallen davon bis jetzt etwa 95 Millionen Euro auf den Brennelementmüll aus dem Gundremminger Block A. Weiterer Brennelementmüll soll sich in Belgien, Frankreich und England befinden. Vor 45 Jahren haben sich die Verantwortlichen nicht an die Weisheit der Römer „Respice finem“ (Bedenke das Ende) gehalten. So schufen und schaffen wir eine untragbare Hypothek für unsere Nachkommen.


Raimund Kamm Vorstand