Medienerklärung des Verein FORUM vom 15.07.07

AKW Gundremmingen - Zwei weitere Brennelemente undicht

RWE versteckt die Schadensmeldung auf der Homepage und bleibt wichtige Auskünfte schuldig. Bis heute kein Hinweis auf diese meldepflichtigen Ereignisse beim Bayerischen Umweltministerium

Beim Studieren der Homepage des AKW Gundremmingen www.kkw-gundremmingen.de kann man versteckt den Hinweis über bedenkliche Störungen in Deutschlands größtem Atomkraftwerk finden:

Im Block B des AKW Gundremmingen wurden wohl wochenlang zwei weitere undichte Brennelemente (ein undichtes war schon im Mai gemeldet worden) nicht entdeckt, oder man hat den Schaden verschwiegen. RWE ließ den Reaktor weiter laufen und erst bei der in der letzten Woche beendeten Revision wurden die Brennelemente ausgetauscht. Am Freitag (13.7.) hat man dies dann quasi nach Redaktionsschluss gemeldet. Und das versteckt in einer längeren, nach Routine aussehenden Verlautbarung. Ein undichtes Hüllrohr, aus dem ja radioaktive Gase entweichen, ist ein meldepflichtiges Ereignis. Und da in Gundremmingen in früheren Jahren ein besorgniserregender Anstieg der radioaktiven Emissionen ungeklärt blieb, und da seit Jahren die Ergebnisse von Fallstudien zur Untersuchung der überdurchschnittlich hohen Kinderkrebserkrankungszahlen ausstehen, ist diese erneute Heimlichtuerei inakzeptabel!

Auszüge von der Homepage:

30. Mai 2007 „Im Kernkraftwerk Gundremmingen kam es am 19. Mai 2007 zu einem meldepflichtigen Ereignis. Die Daten der kontinuierlichen Betriebsüberwachung des Reaktorkerns zeigten, dass ein Hüllrohr in einem der insgesamt 784 Brennelemente des Blocks B schadhaft sein könnte.“

13. Juli 2007 „Im Rahmen des Brennelementtauschs wurden auch drei schadhafte Brennelemente ausgetauscht, die im Zuge einer systematischen Kontrolle des Reaktorkerns zu Beginn der Arbeiten identifiziert worden waren.“

http://www.kkw-gundremmingen.de/site/news/n_frame.htm

Wenn ein Hüllrohr defekt wird, entweichen die bei der Kernspaltung entstehenden radioaktiven Gase in das Wasser des Hauptkreislaufes. Zum Teil werden sie wieder aufgefangen und kontrolliert über den Schornstein in die Luft abgelassen. Dies muß so erfolgen, daß die Grenzwerte nicht überschritten werden. Der schlanke, über 100 Meter hohe Schornstein des AKW wird von den AKW-Betreibern im Allgemeinen nicht erwähnt, da man vorgibt, das AKW arbeite mit „geschlossenen Kreisläufen“.

Wir haben am 10. Januar 03 öffentlich gemacht, daß lt. Bericht der Bundesregierung (Bundestags-Drucksache 14/9995) die Strahlenbelastung für die Nachbar/innen des Kernkraftwerks Gundremmingen in 2001 zwar noch deutlich unter den amtlichen Grenzwerten aber etwa viermal so hoch war wie im Jahr 2000. Daß damit das AKW Gundremmingen mit seiner Abluft deutschlandweit mit Abstand am stärksten die benachbarte Bevölkerung radioaktiv belastet. Wir haben damals gefordert, daß die Ursachen dieses besorgniserregenden Wachstums der radioaktiven Belastung untersucht, abgestellt und veröffentlicht werden sollen! Die Bayerische Staatsregierung hat zwar Untersuchungen vornehmen lassen, diese aber nicht öffentlich zur Diskussion gestellt. Auch sind AKW und Aufsichtsbehörde der Bevölkerung Auskunft über die Ursachen der Schadenshäufungen in den Hüllrohren der Brennelemente schuldig: Gibt es Besonderheiten bei diesen Brennelementen? Ist es eine Folge der höheren Anreicherung mit dem Spaltstoff Uran-235? Gibt es ähnliche Schäden in anderen Kernkraftwerken?

Vor Jahren hat Dr. Körblein nachgewiesen, dass auch in der Umgebung des AKW Gundremmingen signifikant mehr Kinder an Krebs erkranken. Die danach vom Bundesamt für Strahlenschutz versprochenen wissenschaftlichen Ursachenuntersuchungen haben bis heute noch nicht zur Veröffentlichung von Ergebnissen geführt.

Deswegen sind Vorfälle im AKW Gundremmingen, die wieder erhöhte radioaktive Emissionen befürchten lassen, keine Bagatelle! Wir fordern Aufklärung!


Raimund Kamm Vorstand