Also doch:
Auch im AKW Gundremmingen gab es wenigstens eine brisante Wasserstoffexplosion
Jetzt hat spiegel-online
auf Grund von Hinweisen der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW
publik gemacht, dass es wenigstens in drei alten Siedewasserreaktoren
schon zu gefährlichen Wasserstoffexplosionen gekommen ist: Brunsbüttel,
Krümmel, Gundremmingen.
Anfang des Jahres
2002 wurden wir aufgeschreckt durch eine wochenlang verkannte Wasserstoffexplosion
im AKW Brunsbüttel, die sich am 14. Dezember 2001 ereignet hatte.
Erst am 18.2.02 konnte die schleswig-holsteinische Aufsichtsbehörde
sich durchsetzen, daß der Reaktor abgeschaltet und untersucht wurde.
Da wurde erfasst, dass gefährlich nah am Reaktor Wasserstoff explodiert
war. Der Reaktor stand anschließend für Reparaturen und weitere Untersuchungen
bis Februar 2003 still. Dabei wurden auch noch mehrere seit Inbetriebnahme
im Jahr 1976 unentdeckt gebliebene schwer wiegende Konstruktionsfehler
entdeckt. Der AKW-Leiter wurde seines Postens enthoben.
Wir Umweltschützer
in der Nachbarschaft des größten deutschen AKW, des Kernkraftwerks
Gundremmingen, haben nach den beunruhigenden Vorfällen in Brunsbüttel
den Bayerischen Umweltminister Schnappauf per 12.3.02 angeschrieben,
denn Wasserstoffbildung („Knallgas“) ist typisch für Siedewasserreaktoren.
Und in Gundremmingen stehen, einzigartig in Deutschland, sogar zwei
dieser alten Reaktoren. Auf meine vielen Fragen zur Gefahr von Wasserstoffexplosionen
ließ der Umweltminister mit Brief vom 22.4.02 dreiseitig antworten.
Darin kein Wort, daß es in Gundremmingen schon wenigstens eine Wasserstoffexplosion
gegeben hatte.
Nach uns jetzt
zugänglichen Dokumenten war der Block C betroffen. Am 6. Mai 1987
wurden im Teillastbetrieb Ventile geprüft, die den Reaktor vor einem
gefährlichen Überdruck bewahren sollen. Ein Ventil schloss bei der
Funktionsprüfung nicht wieder. Infolge des daraufhin stark absinkenden
Drucks wurde eine immer riskante Reaktorschnellabschaltung notwendig
– die glückte. Erst zwei Monate später am 20. Juli 1987 gelang es
dann, die Ursache für die Ventilverklemmung zu entdecken. Infolge
einer zunächst unbemerkt gebliebenen Wasserstoffexplosion waren sogar
drei Ventile verbogen. Anschließend wurden angeblich alle deutschen
Siedewasserreaktoren nachgerüstet. Aber der Sachverhalt wurde der
Öffentlichkeit verheimlicht. Die jetzt uns vorliegenden Störfallmeldungen
widersprechen sich in einem wichtigen Punkt. Da die kritische Öffentlichkeit
ausgeschaltet blieb, wurde das bis heute nicht entdeckt. Und ein halbes
Jahr später kam es im AKW Krümmel dann zu einer weiteren Wasserstoffexplosion.
Wir fordern die
Namen der Verantwortlichen! Es muss damit Schluß sein, dass die Atom-Chefs
und die ihnen verbundenen Beamten und Politiker selbstherrlich über
Informieren oder Nicht-Informieren entscheiden. Offenbar kann nur
noch persönliche Verantwortung, einschließlich Gefahr des Arbeitsplatzverlustes,
dazu helfen, dass gefährliche Verhaltensweisen abgestellt werden.
Bis heute ist insbesondere die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage,
die uns schützenden Gesetze gegen die Atombosse durchzusetzen.