Medienerklärung des Verein FORUM vom 24.07.07

Also doch: Auch im AKW Gundremmingen gab es wenigstens eine brisante Wasserstoffexplosion

Jetzt hat spiegel-online auf Grund von Hinweisen der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW publik gemacht, dass es wenigstens in drei alten Siedewasserreaktoren schon zu gefährlichen Wasserstoffexplosionen gekommen ist: Brunsbüttel, Krümmel, Gundremmingen.

Anfang des Jahres 2002 wurden wir aufgeschreckt durch eine wochenlang verkannte Wasserstoffexplosion im AKW Brunsbüttel, die sich am 14. Dezember 2001 ereignet hatte. Erst am 18.2.02 konnte die schleswig-holsteinische Aufsichtsbehörde sich durchsetzen, daß der Reaktor abgeschaltet und untersucht wurde. Da wurde erfasst, dass gefährlich nah am Reaktor Wasserstoff explodiert war. Der Reaktor stand anschließend für Reparaturen und weitere Untersuchungen bis Februar 2003 still. Dabei wurden auch noch mehrere seit Inbetriebnahme im Jahr 1976 unentdeckt gebliebene schwer wiegende Konstruktionsfehler entdeckt. Der AKW-Leiter wurde seines Postens enthoben.

Wir Umweltschützer in der Nachbarschaft des größten deutschen AKW, des Kernkraftwerks Gundremmingen, haben nach den beunruhigenden Vorfällen in Brunsbüttel den Bayerischen Umweltminister Schnappauf per 12.3.02 angeschrieben, denn Wasserstoffbildung („Knallgas“) ist typisch für Siedewasserreaktoren. Und in Gundremmingen stehen, einzigartig in Deutschland, sogar zwei dieser alten Reaktoren. Auf meine vielen Fragen zur Gefahr von Wasserstoffexplosionen ließ der Umweltminister mit Brief vom 22.4.02 dreiseitig antworten. Darin kein Wort, daß es in Gundremmingen schon wenigstens eine Wasserstoffexplosion gegeben hatte.

Nach uns jetzt zugänglichen Dokumenten war der Block C betroffen. Am 6. Mai 1987 wurden im Teillastbetrieb Ventile geprüft, die den Reaktor vor einem gefährlichen Überdruck bewahren sollen. Ein Ventil schloss bei der Funktionsprüfung nicht wieder. Infolge des daraufhin stark absinkenden Drucks wurde eine immer riskante Reaktorschnellabschaltung notwendig – die glückte. Erst zwei Monate später am 20. Juli 1987 gelang es dann, die Ursache für die Ventilverklemmung zu entdecken. Infolge einer zunächst unbemerkt gebliebenen Wasserstoffexplosion waren sogar drei Ventile verbogen. Anschließend wurden angeblich alle deutschen Siedewasserreaktoren nachgerüstet. Aber der Sachverhalt wurde der Öffentlichkeit verheimlicht. Die jetzt uns vorliegenden Störfallmeldungen widersprechen sich in einem wichtigen Punkt. Da die kritische Öffentlichkeit ausgeschaltet blieb, wurde das bis heute nicht entdeckt. Und ein halbes Jahr später kam es im AKW Krümmel dann zu einer weiteren Wasserstoffexplosion.

Wir fordern die Namen der Verantwortlichen! Es muss damit Schluß sein, dass die Atom-Chefs und die ihnen verbundenen Beamten und Politiker selbstherrlich über Informieren oder Nicht-Informieren entscheiden. Offenbar kann nur noch persönliche Verantwortung, einschließlich Gefahr des Arbeitsplatzverlustes, dazu helfen, dass gefährliche Verhaltensweisen abgestellt werden. Bis heute ist insbesondere die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage, die uns schützenden Gesetze gegen die Atombosse durchzusetzen.


Raimund Kamm Vorstand