Umweltschädlich,
verbraucherschädlich und verlogen
Zu der auf
Seite 1 der Augsburger Allgemeinen (21.8.) angekündigten Strompreiserhöhung
der RWE-Tochter Lechwerke (LEW) wollen wir zum Schutz von Verbrauchern
und Umwelt deutlich Stellung nehmen:
Die Preiserhöhungsdrohung
des Stromnetzmonopolisten LEW ist ein übler Missbrauch von Marktmacht!
Die Begründung, Schuld sei die Öko-Energie, ist eine dreiste Lüge!
Zur Erinnerung:
Die Essener RWE AG, zu der die schwäbische LEW AG mehrheitlich gehört,
hat vor Jahren angekündigt, die Dividende Jahr für Jahr um 15 Prozent
zu erhöhen. Die Ausschüttungssumme stieg von 619 Millionen Euro im
Jahr 2002 auf 1.968 Millionen Euro im Jahr 2006. Im 1. Quartal 2007
lag der Gewinn dann schon wieder um 34,6 Prozent höher als im ersten
Quartal des Vorjahres. Im ersten Halbjahr 07 stieg der RWE Gewinn
sogar auf unglaubliche 4,4 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite
liegt deutlich über 30 Prozent. Gewinngier ist der Grund für die
Preiserhöhungen, nicht der Ökostrom!
Der Bund der
Energieverbraucher weist seit Jahren darauf hin, dass infolge des
Netzmonopolmissbrauchs von RWE & Co in Deutschland die Strompreise
für Haushaltskunden etwa 5 Cent je Kilowattstunde zu hoch sind. In
praktisch allen anderen Nachbarländern würden bei der Strompreisberechnung
für die Leitungen mehrere Cent je Kilowattstunde weniger angesetzt.
Und diese Supergewinne
erzielen RWE und die Tochterfirma LEW obwohl sie Milliarden Euro bei
Firmenfehlkäufen vernichtet haben. Obwohl sie die Vorstandsgehälter
um mehrere Millionen erhöht haben, obwohl sie zig Millionen für luxuriöse
Frühverrentungen, manchmal schon ab 51 Jahren, verprasst haben, obwohl
sie beim Kauf von Stromleitungen und Kraftwerken hunderte Millionen
Euro an Lieferkartelle zu viel bezahlt haben. Wenn dann gefragt wird,
wie solch marktwirtschaftswidrige, uns Kunden ausbeutende Verhältnisse
in unserem demokratisch verfassten Rechtsstaat möglich sind, muss
man daran erinnern, dass hunderte (!) von Politikern, vom kleinen
nach Finnland oder Moskau eingeladenen Bürgermeistern über Bundestagsabgeordnete,
bis zu Ministern und einem ehemaligen Bundeskanzler sich von Energiekonzernen
bezahlen ließen und vermutlich immer noch lassen. Die Energiebranche
zählt neben der Bau- und der Rüstungsbranche zu den korruptesten Teilen
unserer Wirtschaft. Öffentlich predigen sie Marktwirtschaft und in
Wirklichkeit praktizieren sie Monopol- und Korruptionswirtschaft.
Vielleicht erklärt
dies auch, warum so viele Medien so unkritisch die Propagandaaussagen
der Energiekonzerne wiedergeben. Eine erfreuliche Ausnahme bildete
am 14.8.07 der mutige ZDF-Film: „Das Kartell – Im Würgegriff der Energiekonzerne“.
Es wird höchste Zeit, dass Verbraucher und Umweltschützer RWE und
LEW die gelbe Karte, und falls die Preise erhöht werden, die rote
Karte zeigen! Unsere auf über 700 Mitglieder angewachsene Gruppe,
die gegen Atommüll und für eine verantwortbare Energiewirtschaft kämpft,
wird voraussichtlich zusammen mit schwäbischen Kreisgruppen des Bund
Naturschutz einen Strommarkt Schwaben veranstalten, wo sich Verbraucher
über die verschiedenen Stromanbieter informieren und ihren Stromversorger
wechseln können.
Ach ja: Der meiste
Ökostrom wird mit Windkraftanlagen erzeugt. Die Betreiber erhalten
je nach Jahr des Betriebsbeginns ihrer Anlage 8 – 9 Cent je Kilowattstunde.
Wir Kunden zahlen etwa 18 – 20 Cent. Natürlich ist der Strom aus Photovoltaikanlagen
noch sehr teuer. Diese Technik wird mit von Jahr zu Jahr sinkenden
Einspeisetarifen seit 1991 gefördert, um zum Schutz des Klimas und
zur Verringerung der Atomrisiken die PV-Technik voran zu bringen.
Laut der neuen
Broschüre „Strom aus Erneuerbaren Energien – Was kostet er uns wirklich?“
der Bundesregierung zahlen wir rund 2 Euro pro Haushalt und Monat
für die Förderung des Ökostroms. Dieser Betrag wird voraussichtlich
bis zum Jahr 2015 auf 2,7 Euro steigen und dann sinken. Eine vergleichsweise
kleine Förderung verglichen mit den über vierzig Milliarden Fördergeldern
für die Atomindustrie und den über hundert Milliarden für die Kohleförderung.