Medienerklärung des Verein FORUM vom 28.08.07

FORUM-Kalenderblatt 31.8. zeigt Freudentag:

4 Prozent Ökostrom-Voraussage der Stromkonzerne weit verfehlt - Aber großer Nachholbedarf in Bayern und Baden-Württemberg

Kalenderblatt 31.08.1993 www.atommuell-lager.de/aktuell_kalender.php

>> Nachdem zuvor es in einer Anzeige der Stromversorger (Badenwerk, Bayernwerk, EVS, Isar-Amperwerke, Neckarwerke, Preußen Elektra, RWE, TWS, VEW) in der Süddeutschen Zeitung wörtlich hieß: "Denn regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken." heißt es unter der Überschrift "Flaute bei erneuerbaren Energien" in der SZ: >>Wie der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), Joachim Grawe, am Montag vor Journalisten in Bonn mitteilte, kauften oder erzeugten die Stromversorger etwa 19 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom aus erneuerbaren Quellen. … Schätzungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Öko-Instituts, die für 2005 zehn Prozent und für das Jahr 2010 rund 13 Prozent Marktanteile erwarten, bezeichnete Grawe als Wunschträume. Auch die Prognose der Klima-Enquete des Bundestages von acht Prozent im Jahr 2005 sei "sehr optimistisch". Nach den Untersuchungen der VDEW könnte bis 2005 eine zusätzliche Stromerzeugung aus erneuerbaren Energie und Abfällen von etwa sechs Milliarden kWh möglich sein. <<

Im Jahr 2007 mehr als 14 Prozent Ökostrom

In diesem Jahr werden wir voraussichtlich mehr als 14 Prozent unseres Stroms in Wasser- und Windkraftwerken, in Photovoltaik- und Biogasanlagen erzeugen. Schon am 20.7.07 meldete die VDEW, dass im ersten Halbjahr 2007 41,6 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erneuerbaren Energien gewonnen wurden. Man sieht: Fast alle Prognosen der Stromkonzerne RWE/LEW, EON, EnBW und ihres Verbandes waren grottenschlecht. Bedrückenderweise auch das Versprechen, das Atommüllproblem zu lösen. Wie kann man RWE/LEW und EON weiter das AKW Gundremmingen betreiben lassen, wo sie schon mehr als 1.300.000 Kilo für viele hunderttausende Jahre tödlich strahlenden Brennelementmüll erzeugt, aber noch nicht ein Kilo hiervon entsorgt haben?!

Erstmals mehr Megawatt in Windkraftwerken als in Atomkraftwerken

Wir Ökos waren in unseren Voraussagen meistens besser als die Atomer. In diesem Sommer haben wir zudem, ohne dass dies bisher gebührend gefeiert wurde, in Deutschland die Atomindustrie überholt. Während in deutschen AKW 20.300 Megawatt (MW) installiert sind, von denen zudem durch die AKW-Still­stände in Biblis, Brunsbüttel und Krümmel, Unterweser/Esenshamm und Neckarwestheim zurzeit „nur“ 13.100 MW, also 65 Prozent, zur Verfügung stehen, kletterte die installierte Leistung der Windkraftanlagen (WKA) auf über 21.050 MW. Stetig erfüllt sich unser Traum: AKW è WKA. Dies heißt natürlich noch nicht, dass in Deutschland gleich viel Wind- wie Atomstrom erzeugt würde. Denn die Windkraftwerke laufen naturgemäß zusammengerechnet rund 2.000 Stunden der 8760 Jahresstunden mit Volllast. Die AKW, wenn sie keine Störungen haben, etwa viermal so lang.

Bayern und Baden-Württemberg hinken nach

Unsere Freude wird jedoch weiter getrübt durch das Zurückfallen von Baden-Würt­temberg und Bayern. Nur etwa 3,3 Prozent der deutschen Windkraftleistung arbeiten in diesen zwei Bundesländern. Wo doch in Baden-Württemberg sogar die bahnbrechenden Entwicklungen für die Windkraft durch den Ingenieur Hütter gemacht worden sind. Und es stimmt nicht, dass dies auf die Binnenlandlage zurückzuführen wäre. Das viel kleinere Binnenland Rheinland-Pfalz hat etwa 50 Prozent mehr Windkraftwerkskapazitäten als die zwei großen Binnenländer Baden-Württemberg und Bayern zusammen.

Windkraftwerke müssen verteilt in Ganzdeutschland und Europa arbeiten

Windkraftwerke müssen in Ganzdeutschland und Europa stehen, dann gleicht sich das schwankende Windangebot besser aus. Auch Windkraftwerke erfordern den Energiemix. Besonders gut ergänzen sich WKA und gasbetriebene Blockheizkraft­werke. Zukünftig werden neue Wärmespeicher und „Stromspeicher“, beispielsweise als Druckluftspeicheranlagen, die Einsatzmöglichkeiten der Erneuerbaren Ener­gien optimieren.

Das Ziel: WKA nicht wuchern lassen sondern in der Landschaft planen

Windkraftanlagen kann man nicht verstecken. Im Gegenteil: Desto höher sie gebaut werden, desto mehr Strom liefern sie. Eine Faustregel sagt, dass ein Meter mehr Höhe, ein Prozent mehr Strom erbringt. Windkraftwerke prägen das Landschaftsbild, verbrauchen jedoch vernachlässigbar wenig Fläche. Widersinnig ja schikanös ist es, dass in Bayern und Baden-Württemberg Windkraftanlagen riesige Abstände von Straßen und Bahnlinien einhalten müssen. Wir Umwelt- und Naturschützer wollen nicht überall Windkraftwerke. Einsparen und Energieeffizienz sind noch wichtiger als die Nutzung der Erneuerbaren Energien. Aber angesichts der Verheerungen durch Klimawandel, Atommüll und Braunkohletagebau ist es gut, wenn durchschnittlich in jedem Landkreis an genügend windreichen Standorten beispielsweise rund 100 Windkraftwerke laufen.


Raimund Kamm Vorstand