Medienerklärung des Verein FORUM vom 25.10.07

Den Unverantwortlichen die existenziellen Fragen stellen

Zum dritten Mal in diesem Jahr lädt das AKW Gundremmingen die Medien gross ein. RWE (LEW) wollen unterstützt von der Regierung von Schwaben Propaganda für die Laufzeitverlängerungen machen. Für JournalistInnen eine gute Gelegenheit, hinter die Kulissen zu leuchten und die verdrängten existenziellen Fragen zu stellen:

  • Was werden Sie machen, wenn entgegen Ihrer Ankündigungen der Salzstock von Gorleben sich als ungeeignet für ein Endlager erweist, in dem der tödlich strahlende Atommüll etwa 1.000.000 Jahre sicher isoliert werden muß? (Bisher gibt es weltweit kein Endlager für diesen extrem strahlenden Atommüll – nur Pläne und Ankündigungen! In der Vergangenheit wurden alle (!) Versprechen, bald ein Endlager zu haben, gebrochen.) Sind Sie bereit, materielle Garantien, wie sie in der Wirtschaft z.B. in Form von Bankbürgschaften, Guthaben auf Treuhänderkontos oder auch Verpfändung von Vermögenswerten üblich sind, für die Räumung des Gundremminger Zwischenlagers in spätestens 40 Jahren zu leisten? Wenn nein, warum nicht und warum soll die Gesellschaft dieses Risiko tragen?
  • Bleibt die RWE bei der im Oktober 2001 im Günzburger Erörterungstermin geäußerten Ansicht, daß für sowohl die Vorsorge gegen Terroranschläge auf Atomanlagen als auch für die Bezahlung der durch eventuelle Terroranschläge ausgelösten Schäden, nicht RWE sondern der Staat entschädigungspflichtig ist?
  • Warum soll dann die Bevölkerung Ihnen noch glauben, dass das Kernkraftwerk und das Zwischenlager ausreichend gegen Terroranschläge geschützt seien, wenn Sie schon für alle Fälle die Haftung dem Staat in die Schuhe zu schieben versuchen? n Wie viele Kilogramm Brennelementmüll wurden bisher in Gundremmingen erzeugt? Und wie viele Kilo wurden Ihrer Meinung nach bisher entsorgt und wenn ja wo?
  • Wie viel Tonnen Uranerz müssen täglich gefördert werden, um z.B. den Block C mit Spaltstoff, von Betreiberseite auch „Brennstoff“ genannt, zu versorgen? Und woher stammt dieses Uranerz?

Hintergrundinformationen:

IIn Gundremmingen startete im Jahr 1966 mit Inbetriebnahme von Block A Deutschlands erstes Großkernkraftwerk. Am 13. Januar 1977 endete durch einen Unfall mit Totalschaden dessen Betrieb. Von dem im Block A erzeugten Brennelementmüll wurde bis heute noch kein Kilo entsorgt. Aus einigen wurde in Plutoniumfabriken in Karlsruhe, Belgien und Frankreich Plutonium separiert. Angeblich als Spaltstoff für neue Reaktoren vom Typ Schneller Brüter. Möglicherweise auch als Spaltstoff für französische Atombomben; zum Teil auch für sogenannte MOX-Brennelemente.

Radioaktive Abfallprodukte des AKW Gundremmingen lagern auch noch in flüssiger Form in der ehemaligen PU-Fabrik Karlsruhe, die irreführend Wiederaufarbeitungsanlage genannt wird. Dort wurden und werden mit zig Millionen Euro Steuergeldern diese Abfälle gesichert, aber nicht entsorgt! Weitere Abfallteile der Gund­remminger Reaktoren werden, nachdem sie in der französischen PU-Fabrik La Hague oder in der englischen PU-Fabrik Sellafield in drei Fraktionen getrennt wurden, zurück nach Deutschland in oberirdische Zwischenlager gefahren. Möglicherweise wurden auch Teile in Frankreich oder auch Russland verschoben. Aber entsorgt, dass heisst endgültig und sicher beseitigt, wurde noch kein Kilo!

Schwach- und mittelradioaktive Abfälle auch des AKW Gundremmingen wurden in das „Versuchsendlager“ (das heisst wirklich so!) Asse II gebracht. In dieses läuft allerdings Wasser ein und eine Verfrachtung der radioaktiven Abfälle durch langsam aber unaufhaltsam fließendes Grundwasser ist zu befürchten.

Auch die beiden im Jahr 1984 in Betrieb gegangenen Blöcke B und C, die zusam­men Deutschlands größtes Atomkraftwerk bilden, arbeiten bis heute ohne Entsorgung! (Dafür einen Umweltpreis zu verleihen, disqualifiziert die „Verleiher“, die Regierung von Schwaben). Ihre Abfälle machen das „Zwischenlager“ Gundremmingen mit der Einlagerung immer weiterer Castoren zu Deutschlands größtem Atommüll-Lager.

Gerade im Falle eines Terroranschlags, für dessen Folgen die RWE beim Günzburger Erörterungstermin die Haftung abgelehnt hat, könnte die dort frei gesetzte Radioaktivität Schwaben für Jahrhunderte verseuchen und so unbewohnbar machen.

Eine auf Energiesparen, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien aufbauende verantwortbare Energiewirtschaft wird von RWE (LEW) und ihren politischen Handlangern blockiert. So verschwenden die Leerlaufverluste (z.B. „Stand by“) unserer Elektrogeräte etwa genau so viel Strom, wie das AKW Gundremmingen erzeugt. Rund 20 Milliarden Kilowattstunden im Jahr. Mit einfachen und billigen Umkonstruierungen könnten alle neuen Elektrogeräte praktisch leerlaufverlustfrei werden. Aber das notwendige „Aus-ist-Aus-Gesetz“ wird durch die Strommonopole und ihre Politiker seit Jahren verhindert.

Auch in unserer Region macht sich der politische Einfluss von RWE (LEW) bemerkbar. Spenden an viele Vereine, Eindringen in die „Lehrerfortbildung“, öffentlichkeitswirksame Kooperationen mit Medien und Politikerausflüge zeigen Wirkung. So wird die leistungsstärkste Erneuerbare Energie, die Windkraftnutzung, in unserer Region ausgebremst. Im Landkreis Günzburg, der von den heutigen Gewinnen des AKW stark profitiert und die zukünftigen Atommülllasten ignoriert, gibt es auch gute Standorte für Windkraftanlagen. Aber ihre Nutzung wird bisher politisch verhindert.

Ein Besuch im AKW Gundremmingen mit sachkundigen und mutigen Fragen kann bedrücken aber auch Freude machen!


Raimund Kamm Vorstand